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Euro 2012 Angst vor der Blamage

Bei der Fußball-EM droht Co-Gastgeber Ukraine eine Blamage. Die Hotelkapazitäten fehlen – so der Reisekonzern TUI, der die Vermarktung der Betten übernommen hat.

Kiew Stadion Quelle: dpa

Von oben schaut das neue Stadion in Danzig aus wie ein riesiger ovaler Bernstein. Von Innen betrachtet, ist der schmucke Fußball-Tempel für den Statiker eine kühne Konstruktion: Das Dach ruht auf 80 bananenförmigen Stahlträgern, die nur eng aneinander klebend stehen bleiben. „Als alle Träger aufgebaut waren und wir die Gerüste wegnahmen, hat am Bau jeder die Luft angehalten“, erinnert sich Architekt Leszek Kurz, der das 680 Millionen Euro teure Stadion im Auftrag des Düsseldorfer Architektenbüro Rhode, Kellermann, Wawrowsky entworfen hat.

Der Hamburger Leszek Kurz ist stolz über das Geschenk für Danzig, wo er geboren und aufgewachsen ist. Dort wird am 10. Juni das Top-Fußballspiel Italien-Spanien angepfiffen. Auch die deutsche Nationalelf hätte nur zu gern im schicken Stadion von Danzig gespielt, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte in der Umgebung sogar ein Quartier angemietet. Die Deutschen hatten aber kein Losglück – und landeten für die Gruppenphase in der Ukraine.

Schaulaufen fürs Image

Es ist ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht: Hier Europas Wirtschaftswunderland Polen, wo zwar nicht alle Autobahnen zur EM fertig werden, aber ausreichend gute und günstige Hotels zur Verfügung stehen. Dort die kriselnde Ukraine, wo die Ex-Regierungschefin im Knast sitzt, die Korruption grassiert und Hotelzimmer fast nur zu Wucherpreisen verfügbar sind. Doch der Gesamteindruck vom europäischen Fußball-Fest auf beide Partner abfärben.

Für beide Länder ist die EM ein Schaulaufen fürs Image. Zweistellige Milliardensummen investieren Polen und die Ukraine, um sich auch nach den drei Wochen als gastfreundliche Tourismus-Ziele zu präsentieren Die Ukrainer wollen überdies die Tür zur EU aufstoßen und mit dem Image brechen, das Armenhaus im Osten zu sein, das irgendwie noch immer zu Russland gehört. Ob das gelingen wird, ist fraglich.

Problem Hotelkapazitäten

TUI Quelle: dapd

Das große Problem sind die Hotelkapazitäten. Nicht einmal in der Hauptstadt Kiew mit 2,8 Millionen Einwohnern stehen genug Betten zur Verfügung. Die Plätze in Vier- und Fünf-Sterne-Hotels gehen fast ausnahmslos an den europäischen Fußballverband UEFA, der dort Funktionäre und Sponsoren unterbringt. In der ostukrainischen Industriestadt Donezk, wo mit Frankreich und England zwei Clubs mit großem Fan-Anhang spielen, reichen die Hotels noch nicht einmal für die „Offiziellen“ – warum auch? In die Industrieregion Donbass verirren sich so selten Touristen oder Manager, dass eine Handvoll Hotels ausreicht.

Das Risiko einer Blamage trägt auch TUI. Eine Tochter des deutschen Reisekonzerns hat die Hotelkapazitäten reserviert und vermarktet, auch die Betten im niedrigeren Preissegment. Aber jetzt kündigen immer mehr Hotels die Verträge, um Wucherpreise zu nehmen. „Viele Fußballfans sind TUI-Kunden, die sonst eine Kreuzfahrt oder einen Pauschalurlaub bei uns buchen. Wenn wir sie bei der Euro 2012 enttäuschen, können wir sie verlieren“, warnte bereits vor einem Jahr der Kiewer TUI-Planer Andrej Stawenko. Er hat Zimmer in Studentenwohnheimen, Hotelschiffe und Campingplätze organisiert, um die einfachen Fans unterzubringen.

Niedrige Erwartungen

Im Internet macht sich derzeit Unmut breit: Der gemeine deutsche Fußballfan ist kein Camper, sondern im Schnitt ein Familienmensch um die 40, der sich für ein DFB-Auswärtsspiel nicht in der letzten Absteige einmietet. Im Fanclub Nationalmannschaft schimpft man über die „Abzocke“ der ukrainischen Hoteliers, an denen sich sogar das zur Accor-Gruppe gehörende Ibis-Hotel in Kiew beteiligt. Hinzu kommt, dass die Flugpreise sofort nach der Auslosung in exorbitante Höhen gesprungen sind. Kein Wunder, dass am Schwarzmarkt wie bei der offiziellen UEFA-Tauschbörse noch viele Tickets für die Gruppenspiele des DFB zu haben sind.

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Vielleicht haben es die Ukrainer aber auch leichter, weil ihr Image so schlecht ist. „Wo Erwartungen niedrig sind, kann die Enttäuschung nicht allzu hoch ausfallen“, sagt Nikolas Stegelmann, Chef von Adidas in Kiew. Der Manager rechnet damit, dass das Land, in dem er schon seit vielen Jahren lebt, mit einer beispiellosen Gastfreundschaft punkten kann. Außerdem sieht er täglich mit an, wie die Fußballbegeisterung wächst – ähnlich wie in Polen, wo man etwa in Danzig hofft, dass die Hotelprobleme im fernen Süden den Gesamteindruck der Veranstaltung nicht versauen.

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