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Euro, Armut, Terrorismus Davos verspricht spannende Debatten

Kriege, Krisen, radikaler Islamismus. Schwaches Wachstum und eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. An Problemen mangelt es nicht beim Weltwirtschaftsforum - nur an Lösungen.

Das Logo des Weltwirtschaftsforums auf einer Fensterscheibe vor Alpenpanorama Quelle: AP

Sonne und blauer Himmel. Die Wetterprognosen sehen gut aus für die Bündner Alpen. Nur über dem Kongresszentrum in Davos hängen tiefdunkle Wolken. Unsichtbar zwar, aber allgegenwärtig in den Köpfen hunderter Topmanager und Spitzenpolitiker, die zum 45. Weltwirtschaftsforum (WEF) in die Schweiz reisen.

Arbeitslosigkeit und Einkommensungleichheit steigen

Die Euro-Schuldenkrise droht zurückzukehren. Die Arbeitslosigkeit wächst fast überall auf der Welt, wie die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) warnt. 2019 werden demnach 219 Millionen Menschen ohne Job sein, gegenüber 201 Millionen 2014. Das wären in fünf Jahren rund elf Millionen Erwerbslose mehr als derzeit, teilte die Behörde der Vereinten Nationen (UN) in Genf mit. Seit Beginn der globalen Krise 2008 seien über 61 Millionen Arbeitsplätze weggefallen. Besonders betroffen seien junge Leute zwischen 15 und 24 Jahren. Die Jugendarbeitslosenquote habe 2014 weltweit fast 13 Prozent betragen. Ein weiterer Anstieg werde für die nächsten Jahre erwartet. Ältere Arbeitnehmer hätten die globale Finanzkrise seit 2008 besser überstanden.

Auch die Einkommensungleichheit hat sich nach Einschätzung der ILO insgesamt vergrößert. "Diese Entwicklungen schwächen das Vertrauen in Regierungen und bergen ein hohes Risiko für soziale Unruhen", erklärte die UN-Organisation. Mit der Arbeitslosigkeit hätten auch die sozialen Unruhen seit 2008 zugenommen.

Pessimistische Wirtschaftsinstitute

Alle Institutionen, die vor dem Davoser Gipfeltreffen der Wirtschafts- und Politikeliten Prognosen vorlegen, haben die Konjunkturerwartungen deutlich zurückgeschraubt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose für das globale Wachstum um 0,3 Punkte auf 3,5 Prozent nach unten korrigiert. Die Hilfsorganisation Oxfam, deren Chefin Winnie Byanyima diesmal im Präsidium der WEF-Tagung sitzt, beklagt, dass bald nur ein Prozent der Menschheit so viel Vermögen angehäuft haben wird wie die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen.

Konjunkturdaten der Weltwirtschaft

Ähnlich kritisch beurteilen Wirtschaftsorganisationen der UN die Lage. Und besonders in Europa haben viele Topmanager Hoffnungen auf einen Konjunkturaufschwung aufgegeben. Dabei stammen alle Erhebungen aus der Zeit vor dem „Franken-Schock“, dessen längerfristige Folgen noch nicht absehbar sind: Am 15. Januar hob die Schweizerische Nationalbank (SNB) überraschend den Mindestkurs des Franken zum Euro auf. Sofort sackte der Kurs der Gemeinschaftswährung zu jener der Eidgenossen um 20 Prozent.

Das sei auch „ein klares Misstrauensvotum für die Zukunft der Eurozone“ gewesen, heißt es in Schweizer Bankerkreisen. Wohl vor allem mit Blick auf zwei Daten, die auch die Debatten in Davos überschatten, haben die Schweizer die Reißleine gezogen: Es wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am 22. Januar ihre Entscheidung über den Ankauf von Staatsanleihen bekanntgibt. Am 25. Januar dürften die Griechen Umfragen zufolge dem eurokritischen linken Parteienbündnis Syriza an der Wahlurne zur Macht verhelfen.

Draghis Kaufprogramm und Merkels Rede

Der von EZB-Chef Mario Draghi mit Vehemenz angestrebte Kauf europäischer Staatsanleihen durch die Notenbanken ist umstritten. Draghi begründet das mit einer drohenden Deflation - also einer Spirale aus verfallenden Preisen für Waren und Dienstleistungen und ein damit verbundenes Schrumpfen der Wirtschaft.

Der Instrumentenkasten der EZB

Bundesbankpräsident Jens Weidmann und das EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger sind nicht die einzigen, die Zweifel hegen. Draghis Warnungen vor einer Deflation seien „Unsinn“, schrieb der Schweizer Ökonom Beat Kappler in der „NZZ am Sonntag“. „Niemand verzichtet heute auf den Kauf eines Wintermantels, nur weil er nächstes Jahr ein Prozent billiger wird.“

Während Draghi am Donnerstag in Frankfurt am Main das Kaufprogramm für Staatsanleihen verkünden dürfte, spricht beim Weltwirtschaftsforum fast zeitgleich Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dass sie die Anleihenkäufe auf offener Bühne kritisiert, glaubt in Davos kaum jemand.

Man verweist auf eine Unterredung der Kanzlerin mit Draghi in der vorigen Woche. Dabei könnte der EZB-Chef sich bei der mächtigsten Politikerin der Eurozone grünes Licht für einen Kompromissvorschlag geholt haben, wird in Davoser Wandelgängen vermutet: Anleihenkäufe ja, aber jeder Staat kauft nur seine eigenen - und Griechenland wird vorerst von der Maßnahme ausgeschlossen. Das würde wohl die Gefahr verringern, dass vor allem Deutschlands Steuerzahler für mögliche Verluste aufkommen müssten.

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Während das Spannungsfeld zwischen EZB-Entscheidung und Griechenland-Wahl viele Debatten bestimmt, kommen in Davos weit mehr Probleme zur Sprache, die oft kaum weniger kompliziert sind. Allen voran die Gefahren, die vom islamischen Terrorismus für die Weltwirtschaft ausgehen.

Wie brandaktuell das Thema so kurz nach den Anschlägen in Paris ist, macht der Rekord-Sicherheitsaufwand mit Tausenden Soldaten und Polizisten sowie Kampfflugstaffeln der Schweizer und der österreichischen Luftwaffe deutlich. Sie sollen den Schutz des Eliten-Stelldicheins garantieren, an dem neben anderen auch Frankreichs Präsident François Hollande, Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi sowie König Abdullah II. von Jordanien und der irakische Premier Haider al-Abadi teilnehmen, ebenso wie „Internet-Promis“, unter ihnen Yahoo-Chefin Marissa Mayer und Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg.

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