Euro-Krise Befreit die Griechen vom Euro

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestags stimmen über das zweite Rettungspaket für Griechenland ab. Mitten im Koalitionskrach und unter dem Vorwurf gegenseitiger Erpressung, noch beeindruckt von den Nachwirkungen des Karnevalswochenendes und dem spannungsvollen Politkrimi um Rücktritt und Nachfolge des Bundespräsidenten. Das ist kein guter Zeitpunkt für kluge und durchdachte Entscheidungen.

Welche Folgen hätte eine Entfernung Griechenlands aus der Euro-Zone? Ein alternativer Ausblick für die Bewältigung der Euro-Krise von Roland Tichy Quelle: dpa

Und doch: Dann werden die Abgeordneten flugs abstimmen müssen über das neuerliche Griechenland-Krisenpaket, das die Bundesregierung zwischenzeitlich ausgehandelt hat. Manchen dürfte das auch ganz Recht sein – denn im Windschatten der Aufmerksamkeit, die der Fall Gauck absorbiert lässt sich das Krisenpaket ohne allzu große Aufmerksamkeit durch den Bundestag schieben. Und um auch wirklich bloß keine Fragen oder gar Debatten aufkommen zu lassen, wird wieder viel von Alternativlosigkeit die Rede sein und davon, dass, wer die Hilfszusagen infrage stellt, auch Europa gefährde. Bei so viel Pathos und parteipolitischer Krise verschwimmen schnell die Dimensionen. Immerhin geht es um ein Hilfspaket von 130 Milliarden (etwa die Hälfte des derzeitig jährlichen Steueraufkommens des Bundes), davon wird Deutschland voraussichtlich mit rund 25 Milliarden Euro haften – immerhin dem Gegenwert der diesjährigen Nettoneuverschuldung des Bundes.

Das neue Rettungspaket für Griechenland

Soll Griechenland raus aus der Euro-Zone?

Wer erinnert sich da noch, dass bereits vor zwei Jahren ein erstes Hilfspaket von 110 Milliarden durch den Bundestag gepeitscht wurde - offensichtlich ebenso alternativ- wie wirkungslos? Es wäre angesichts dieser gigantischen finanzpolitischen Bedrohung unserer Zukunft ratsam, wenn sich die Abgeordneten des Deutschen Bundestags doch mit ein paar Fragen beschäftigen würden - etwa der, dass der Euro mit Europa sehr wenig zu tun hat. Die Euro-Zone umfasst 17 Mitgliedsstaaten, die Europäische Union 27 Staaten, zum kulturell-historischen Europa zählen auch Länder wie die Schweiz, Norwegen, aber auch Staaten wie die Ukraine und Georgien. Längst haben wir akzeptiert, dass sich die europäische Einigung in unterschiedlicher Geschwindigkeit vollzieht. Wer nicht in der Spitzenliga spielt, ist trotzdem nicht raus. Was spräche also dagegen, Griechenland aus der Euro-Zone zu entfernen? Die erste Feststellung ist: Das beschworene bittere, unausweichliche Ende des europäischen Traums wäre nicht zu befürchten, wenn Griechenland sich in einer Liga mit Polen, Ungarn, Dänemark oder Großbritannien wiederfände - Mitglieder der Union ohne Währungsunion.

Und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten eines griechischen Austritts und offen erklärten statt verschleppten Staatsbankrotts? Es gibt sie, aber das ist die zweite Feststellung – sie hätten heilsamen und problemlösenden Charakter. Sicherlich würde die Einführung der Drachme eine Abwertung von 30 oder 50 Prozent zur Folge haben.

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