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Euro-Krise "Deutschland ist nicht immun"

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"Den Regierungen eine Brücke bauen"

Das Eurozeichen vor der EZB-Zentrale Quelle: dpa

Zuletzt sah es so aus, als habe die Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) die Märkte beruhigt. Warum sind nun wieder alle nervös?

Die EZB verfügt mit ihren langfristigen Refinanzierungsoperationen über ein wirkungsvolles Instrument. Aber sie kann den Regierungen nur eine Brücke bauen, damit diese die Reformen umsetzen. Die Investoren waren zunächst begeistert, weil sie dachten, die unmittelbaren Probleme seien gelöst. Diese Begeisterung weicht jetzt einer realistischeren Einschätzung der Lage. Noch sind wir aber nicht wieder da, wo wir im Winter waren.

Kann die EZB mehr tun?

Sie sollte nur mehr tun, wenn auch andere zu weiteren Schritten bereit sind. Die Bilanzsumme der EZB beläuft sich bereits auf mehr als 30 Prozent der Wirtschaft. So etwas hat es in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte noch nicht gegeben. Wir wissen nicht, was die langfristigen Folgen einer solchen Entwicklung sind.

Immerhin haben Europas Regierungen ihren Rettungsfonds aufgestockt. Auf der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) soll der Rest der Welt seinen Beitrag leisten. Halten Sie das für richtig?

Wir brauchen starke Brandschutzmauern, weil sich Krisen sonst ungebremst ausbreiten können und auch gesündere Länder in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Europäer sollten aber noch mehr Mittel aufbieten, bevor sie die Staatengemeinschaft um Unterstützung bitten.

Weshalb?

Die Kredite an Portugal, Griechenland und Irland machen bereits mehr als 60 Prozent der insgesamt vergebenen Darlehen des IWF aus – und im Fall der Euro-Zone wurden die Regeln sehr großzügig ausgelegt. Man hat nachgegeben, weil der Druck aus Europa so groß war.

Der Kontinent ist für die Weltwirtschaft eben nicht unwichtig.

Das stimmt. Aber der IWF ist eben eine internationale und keine europäische Institution. Viele andere Länder sagen: Europa ist reich – und wird sehr viel besser behandelt, als wir früher behandelt wurden.

Wie viel Geld muss aufgeboten werden, um der Krise endgültig Einhalt zu gebieten?

Ich will das nicht quantifizieren. Und es geht auch nicht nur um Geld. Europa muss eine Richtungsentscheidung treffen, wenn ein Auseinanderbrechen der Währungsunion verhindert werden soll, das mit sehr hohen Kosten für alle verbunden wäre.

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