WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Euro-Krise Wann knickt der Euro ein?

Seite 3/6

Wann könnte der Euro abwerten?

EZB Quelle: dpa

Dass der Euro trotz Krise nicht dramatisch abstürzt, verhindert zurzeit insbesondere der exzellente Ruf deutscher Staatsanleihen. Denn internationale Investoren haben zwar ihre riskanten europäischen Staatspapiere an die Notenbanken des Euro-Systems verkauft. Doch sie zogen das Geld nicht aus der Währungsunion ab, sondern steckten es in deutsche Anleihen. Diese Stütze könnte aber schnell wegbrechen: „Die Einführung von Euro-Bonds oder noch größere Hilfezahlungen könnten die Investoren so verunsichern, dass sie auch Deutschland misstrauen“, sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Dann würden sie ihre gesamten Euro-Anlagen verkaufen – und damit den Wechselkurs, den Preis der Währung, drücken. Ein solches Szenario befürchtet auch der Euro-Skeptiker Wilhelm Hankel, der die Gemeinschaftswährung langfristig auf dem Weg in eine reine Transferwährung sieht.

Fazit: Der Euro könnte bei einer erneuten Zuspitzung der Krise stark abwerten.

Rettet ein Ende der Krise den Euro?

Das bedeutet nicht, dass ein baldiges Ende der Krise den Euro stabilisiert. Im Gegenteil. Erholt sich die Wirtschaft, könnte die expansive Geldpolitik der EZB die Inflationserwartungen hochtreiben. Dass dies bisher nicht geschehen ist, liegt daran, dass die anderen großen Notenbanken derzeit eine ähnliche Strategie wie die EZB verfolgen. „Solange alle sündigen, spiegelt sich die expansive Geldpolitik nicht in den Wechselkursen wider“, sagt Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft.

Bei einer konjunkturellen Erholung wollen die Zentralbanken das Geld wieder einsammeln – auch die EZB wird das versuchen. Und vermutlich scheitern: Sie müsste den Banken Termineinlagen zu einem höheren Zins als derzeit einem Prozent anbieten und so die Zinsen generell erhöhen. Dies aber würde die Staatsschuldenkrise erneut anheizen: Die Banken würden Anleihen aus den Peripheriestaaten verkaufen und den Erlös bei der EZB anlegen. Zudem liegt ein großer Teil des Geldes bei südländischen Banken. Die EZB müsste diesen deutlich weniger Kredite geben. Das wäre für viele Institute der Tod.

Darin unterscheidet sich die Geldpolitik der Fed: Sie will die Konjunktur ankurbeln, nicht Banken retten. Läuft die Wirtschaft wieder, kann sie die Geldflut stoppen.

Fazit: Die EZB wird nicht den Mumm haben, maroden Geldhäusern den Hahn zuzudrehen. Sie hat faktisch die Kontrolle über die Geldmenge und damit über die Inflation verloren. Das macht den Dollar attraktiv und den Euro schwach.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%