Euro-Krisenland Zypern wähnt sich auf dem Weg der Besserung

Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis hält die Gefahr eines Staatsbankrotts für gebannt. Schon 2016 wolle er an die Kapitalmärkte zurückkehren. Woher kommt der Optimismus?

Zyperns Präsident Anastasiades sieht Zypern schon auf dem Weg der Besserung Quelle: dpa

Nicht Griechenland, sondern Zypern hat die Nerven der Euro-Retter in diesem Jahr bisher am meisten strapaziert. Anfang des Jahres drohte dem Inselstaat der Staatsbankrott und das Euro-Aus. Nach großem Hick-Hack um die Beteiligung von Bankengläubigern und Kleinsparer an den Rettungskosten, verloren selbst die Euro-Retter in Brüssel, Berlin & Co. beinahe die Geduld mit Zypern und dessen Präsidenten. Am Ende flossen dann doch die Rettungsmilliarden nach Nikosia, einen Gewinner gab es trotzdem nicht.

Die Glaubwürdigkeit der Währungsunion wurde einmal mehr beschädigt und Zyperns fragwürdiges Geschäftsmodell zerschlagen. Wenige Monate nach der Zäsur versprüht der zyprische Präsident nun aber wieder Optimismus. Auf die Frage, ob die Gefahr eines Staatsbankrotts abgewendet sei, antwortete Anastasiadis im Interview mit dem "Handelsblatt": "Ich glaube ja, endgültig." Er räumte mit Blick auf die Auflagen für das aktuelle Milliarden-Hilfsprogramm der Europäer und des IWF für sein Land ein: "Natürlich gibt es noch Schwierigkeiten." Aber die werde man meistern. "Wir werden unseren Verpflichtungen nachkommen", sagte Anastasiadis. Neue ausländische Hilfskredite über die bereits zugesagten hinaus sollten nicht mehr nötig werden.

Die Chronik der Zypern-Krise

Die Schwelle zum Osten

"Wenn wir Haushaltsdisziplin wahren und unsere Möglichkeiten nutzen, brauchen wir keine zusätzlichen Kredite", sagte er weiter. Trotz der einschneidenden Reformen sieht Anastasiadis für Zypern weiterhin als Finanzplatz eine Zukunft. "Wenn das Vertrauen in unsere größte Bank, die Bank of Cyprus, wiederhergestellt ist und wir unsere Pläne zur Gründung einer Investitionsbank umsetzen, kann Zypern eine wichtige Rolle als Finanzplatz spielen", sagte er. Dafür spreche auch die geostrategische Lage des Landes als Schwelle zum Nahen Osten.

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Die Rezession sollte Zypern nach den Worten seines Präsidenten in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres hinter sich lassen. "Dann wird die Krise natürlich noch nicht vorbei sein", warnte er. Er sei aber sicher, dass das Land noch vor dem Ende des laufenden Hilfsprogramms der Partner, das bis 2016 reicht, wieder an die Finanzmärkte gehen kann.

Woher Anastasiades diese Hoffnung nicht, ist nicht ganz nachvollziehbar. Die Wirtschaft liegt am Boden. In diesem Jahr wird sie laut Schätzung der EU-Kommission um 8,7 Prozent schrumpfen. Auch im kommenden Jahr soll am Ende ein Minus von 3,9 Prozent stehen. Die Schulden werden bis Ende 2014 auf 124 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ansteigen. Selbst mit Hilfe der Europäischen Zentralbank dürfte es unter diesen Vorzeichen schwer werden für Zypern, zu moderaten Zinsen Geld aufnehmen zu können.

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