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Euro-Länder EZB belässt Leitzins bei 0,5 Prozent

Die Europäische Zentralbank belässt ihren Leitzins wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. EZB-Chef Draghi wird die Gründe für den Beschluss am Nachmittag auf einer Pressekonferenz erläutern.

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Quelle: dpa

Die EZB lässt den Leitzins im Euroraum wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat nach Angaben der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt. Seit der Zinssenkung im Mai hat sich die Lage an der Konjunkturfront etwas entspannt: Das Geschäftsklima verbesserte sich und die Verbraucherstimmung im Euroraum kletterte im Juni auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren. Daher hatten die meisten Volkswirte weder eine weitere Senkung des Leitzinses noch zusätzliche Stützungsmaßnahmen erwartet. Zumal EZB-Präsident Mario Draghi damit rechnet, dass sich die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte 2013 allmählich erholen wird. Niedrige Zinsen sollen Investitionen anschieben und damit die Wirtschaft in Schwung bringen.

Draghi wird die Gründe für den Beschluss am frühen Nachmittag auf einer Pressekonferenz in Frankfurt erläutern. Auf dem europäischen Festland erwartet EZB-Chef Draghi eine durchaus spannende Fragerunde mit den Journalisten. Zum einen warten die Märkte auf eine Einschätzung der EZB zu den jüngsten Entwicklungen rund um Griechenland und Portugal - während die Regierung in Lissabon zerbröselt, steht Griechenland einmal mehr unter starkem Druck und die Spekulationen über einen erneuten Schuldenschnitt nehmen zu. Ob sich Draghi bereits dieses Mal durchringen kann, den Investoren an den Finanzmärkten wie von der EZB angedacht mehr Hinweise über den weiteren Kurs der EZB zu geben, wie es etwa die Federal Reserve in den USA tut, bleibt indes abzuwarten.

Die Herren über den Euro
Mario Draghi ist seit 1. November Präsident der EZB. Zuvor war er Gouverneur der Banca d'Italia (2006-2011) und Vizepräsident von Goldman Sachs in London (2004-2005). Quelle: rtr
Vizepräsident der EZB ist der Portugiese Vítor Constâncio. Als er Anfang 2010 auf seinen Posten gewählt wurde, unterstützte auch die Bundesregierung seine Kandidatur. Ihr Kalkül: Durch die Wahl eines Südeuropäers auf den Vize-Posten sollten die Chancen vom damaligen Bundesbank-Chef Axel Weber auf die EZB-Präsidentschaft steigen. Daraus wurde bekanntlich nichts, weil Weber im Rat isoliert war und zurücktrat. Constâncio gilt als Befürworter des Ankaufs von Staatsanleihen der Krisenländer. Quelle: rtr
Jörg Asmussen ist im EZB-Direktorium verantwortlich für  Internationales. Der frühere Staatssekretär wechselte direkt aus dem deutschen Finanzministerium in die EZB. Eigentlich wollte Bundeskanzlerin Merkel ihn als Chefvolkswirt durchsetzen... Quelle: rtr
... doch seine Kandidatur scheiterte. Da sich EZB-Chef Draghi nicht zwischen ihm und dem Franzosen Benoit Coeure entscheiden wollte, berief er stattdessen den Belgier  Peter Praet als neuen  Chefvolkswirt. Dieser gilt als solider Fachmann - und als großer Befürworter von Anleihekäufen. Quelle: dpa
Der Franzose  Benoit Coeure bekam die  Leitung der Abteilung Märkte. Damit hat er auch eine wichtige Rolle bei der Koordination der umstrittenen Staatsanleihenkäufe der EZB. Quelle: rtr
Neben dem EZB-Direktorium ist der  EZB-Rat das formale Beschlussorgan der Euro-Notenbank. Der EZB-Rat besteht aus den sechs Mitgliedern des Direktoriums sowie den 17 Chefs der nationalen Notenbanken der Eurozone. Obwohl im Direktorium geldpolitische Entscheidungen vorbereitet werden, trifft der EZB-Rat formal die Beschlüsse und legt die Geldpolitik im Euro-Raum fest. Der Rat tritt in der Regel zweimal monatlich zusammen. Seine  Mitglieder sind... Quelle: dpa
Luc CoeneGouverneur der  belgischen Zentralbank. Im Amt seit 1. April 2011. Coene gilt als fachlich gut und stabilitätsorientiert. Quelle: rtr

Vor der EZB hatte bereits die Bank von England über ihren Leitzins entschieden. Der neue britische Notenbankgouverneur Mark Carney verzichtete auf einen furiosen Start ins Amt. Bei der ersten Zinsentscheidung unter seiner Führung bestätigte die Bank von England am Donnerstag ihren Leitzins bei 0,5 Prozent. Auch die Staatsanleihenkäufe, mit denen die Zentralbank versucht hat, mehr Geld in die darbende Wirtschaft zu pumpen, werden vorerst nicht ausgeweitet. Volkswirte hatten damit gerechnet, dass Carney, der seit dem 1. Juli nach zehn Jahren Nachfolger von Mervyn King an der Zentralbankspitze ist, zu Beginn seiner Amtszeit noch keinen eigenen Akzent setzen wird.

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Für die kommenden Monate rechnen dann allerdings nicht wenige Fachleute damit, dass Carney die Notenpressen erneut schneller rotieren lassen und noch mehr Anleihen aufkaufen könnte. Unter King hat die Bank von England bislang insgesamt für 375 Milliarden Pfund Bonds gekauft. Ob sich Carney auch tatsächlich dafür entscheidet, noch mehr Geld in die Hand zu nehmen, dürfte von den Konjunktur-Daten abhängen. Diese sprachen zuletzt gegen eine weitere Lockerung der Geldpolitik: So wuchs beispielsweise die britische Industrie im Juni so stark wie seit mehr als zwei Jahren nicht.

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