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Euro Trauriger Geburtstag

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Marode Staatsfinanzen

Junge Spanier demonstrierten im Oktober in Madrid gegen die Sparpläne im Bildungsbereich. Die Euro-Länder haben hohe Schulden aufgetürmt, eines Tages müssen die Rechnungen beglichen werden. Quelle: REUTERS

„Eine Währung für so unterschiedliche Länder? Ich bin irgendwie froh, dass wir da nicht mitmachen“, schrieb mir Nike, eine Freundin aus der Schweiz, nach dem Slowakei-Beitritt über Facebook. „Ihr macht ja auch nirgendwo mit“, dachte ich mir und schüttelte den Kopf. Ich verwies auf Ökonomen und Politiker, die alle Zweifel wegwischten. Durch den Euro würde Europa wirtschaftlich zusammenwachsen, so die weit verbreitete Meinung. Eine gemeinsame Geldpolitik sorge für Stabilität und Wohlstand in allen Ländern.

Die Schere zwischen den starken und schwachen Staaten Europas geht auseinander

Heute weiß ich: Statt wirtschaftlich zusammenwachsen, haben sich die Euro-Länder immer weiter voneinander entfernt. Zwar gingen die Zinsen in den Peripherieländern zunächst auf Talfahrt, statt 7,5 Prozent musste Spanien 1999 nur noch drei Prozent Zinsen für neue Kredite zahlen. In Italien gaben die kurzfristigen Zinsen von 8,8 auf 3,0 Prozent nach, auch Irland und Griechen konnten sich plötzlich günstig Geld leihen.

Das entfachte einen kreditfinanzierten Investitions-, Bau- und Konsumboom, der die Leistungsbilanzen ins Defizit rutschen ließ. Die Finanzkrise ab 2007 sowie die europäische Schuldenkrise seit 2010 zwangen die Südländer zur Korrektur. Sie müssen noch immer Löhne und Preise senken, was in der Folge die Konjunktur abwürgt und die Konsolidierung der ohnehin maroden Staatsfinanzen weiter erschwert. Die deutsche Wirtschaft hingegen wächst zum Teil kräftig, die Schere zwischen den starken und den schwachen Staaten Europas geht immer weiter auseinander.

Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet

Ein weiteres Problem: Über Jahre wurden die Stabilitätskriterien missachtet, Griechenland schaffte es gar nur mit geschönten Zahlen in den Euro. Die Mitgliedsstaaten der Eurozone haben sich in eine Schuldenkrise manövriert, die den Euro in seiner Existenz gefährdet. Nur mit milliardenschweren Rettungspaketen konnten  Irland, Griechenland und Portugal gerettet werden, im Falle Griechenlands nicht einmal das. Das Land braucht einen Schuldenschnitt. Der europäische Steuerzahler wird zur Kasse gebeten.

Eines Tages müssen wir für die Schulden aufkommen

Noch sind die  Folgen in seiner Gänze, zumindest in Deutschland, nicht spürbar. Die Arbeitslosigkeit nimmt trotz Schuldenkrise und Rezessionssorgen nicht spürbar zu, der Geldwert ist (noch) stabil. Doch eines Tages müssen wir für die Staatsschulden aufkommen. Sei es per Notenpresse oder durch strikte Sparmaßnahmen.

Das gute Gefühl, lieber Euro, mit dem ich dich vor zehn Jahren begrüßte, ist verflogen. Grund zu feiern, gibt es an deinem Geburtstag kaum.

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