Euro Paris verhindert belgische Münze mit Waterloo-Motiv

Paris interveniert in Brüssel, damit Belgien keine Zwei-Euro-Münze ausgibt, die an die Niederlage Napoleons vor 200 Jahren erinnert. Das Motiv, so das Argument, könnte zu Spannungen in der Euro-Zone führen.

Euromünze Quelle: dpa

Manche Niederlagen sitzen tief. Frankreich hat offenbar die Schmach von Waterloo noch immer nicht überwunden, wo Napoleon 1815 seine letzte Schlacht verlor. 200 Jahre später hat die französische Regierung in Brüssel interveniert, um eine belgische Zwei-Euro-Münze mit Waterloo-Motiv zu verhindern.

Das Nachbarland Belgien, auf dessen heutigem Staatsgebiet sich Waterloo befindet, wollte im Juni anlässlich des 200. Jahrestags der Schlacht eine Münze mit Gedenkmotiv in Umlauf bringen. Die könnte „feindselige Reaktionen in Frankreich“ auslösen, warnte die französische Regierung in einem Brief an den Rat der EU Anfang März. Paris sieht gar die ganze Währungsunion von einem solchen Motiv bedroht: „Münzen mit einem Symbol, das für einen Teil der europäischen Bevölkerung negativ ist, erscheint uns schädlich in einer Situation, in der die Regierungen der Eurozone sich bemühen, die Einheit und Zusammenarbeit innerhalb der Währungsunion zu stärken.“

Die letzten EU-Staaten ohne Euro
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Rumänien ist seit 2007 EU-Mitglied und beabsichtigt, den Euro einzuführen Quelle: dpa
Auch für Kroatien ist der Abschied von der Landeswährung Kuna kein Thema Quelle: dpa
In Bulgarien ist der Euro derzeit kein Thema Quelle: dpa

Belgien hatte dummerweise schon 175.000 der Münzen geprägt, auf denen das Siegesmal der alliierten Kräfte in Waterloo in einem eher hässlichen Design zu sehen ist. Diese Münzen werden nun eingeschmolzen. Weil sich das Material wiederverwerten lässt, schätzt das belgische Finanzministerium den Schaden aber nur auf rund 50.000 Euro. Auf den belgischen Münzen bleibt allesamt das Profil von König Albert II zu sehen - kein wirklicher Hingucker.

Dass Frankreich mit seinem Einspruch überhaupt Erfolg hatte liegt an den Regularien der Währungsunion, von denen für gewöhnlich niemand Notiz nimmt. Die Mitgliedsstaaten der Währungsunion können zwar eine Seite der Euro-Münzen nach ihren Wünschen gestalten, die anderen 18 Mitgliedsstaaten müssen den Motiven allerdings zustimmen.

Französischer Pyrrhussieg

Drei Monate vor dem Ausgabedatum muss das neue Design zur Ansicht vorliegen. Wenn binnen sieben Tagen kein Einspruch kommt, ist der Fall erledigt. Frankreich legte vergangenes Jahr etwa eine Gedenkmünze zur Landung der Alliierten in der Normandie im Jahr 1944 auf. Ein Motiv, an dem sich niemand störte.

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Wenn ein Land jedoch Bedenken vorbringt, müssen die Finanzminister der Eurozone über das Münzdesign abstimmen, die qualifizierte Mehrheit entscheidet. Oder aber das Land zieht seinen Entwurf zurück, wie es Belgien im Fall der Waterloo-Münze getan hat. Frankreich hatte offenbar schon genug Regierungen um sich geschart, die ebenfalls gegen die Darstellung stimmen wollten. Belgien ließ es nicht auf eine Abstimmungsniederlage ankommen und gab erst einmal klein bei.

Der französische Erfolg in Brüssel ist jedoch ein Pyrrhussieg. Die Belgier sind fest entschlossen, eine Gedenkmünze zur historischen Niederlage ihrer Nachbarn herausgeben. Allerdings werden sie nun eine Drei- oder Fünf-Euro-Münze prägen. Weil die für Liebhaber und nicht für den gewöhnlichen Zahlungsverkehr gedacht sind, haben die anderen Euro-Staaten kein Mitspracherecht.

Das Aufheben der Franzosen um eine Waterloo-Münze löst in Brüssel große Heiterkeit aus. Dort kann sich niemand erinnern, dass sich jemals ein Staat an der graphischen Gestaltung von Euro-Münzen in anderen Ländern gestört hätte.

Wenn es darum geht, selbst mit Waterloo-Souvenirs Geld zu verdienen, sind die Franzosen übrigens weniger empfindlich, hat die flämische Tageszeitung „De Standaard“ herausgefunden. An der Gedenkstätte der Schlacht in Waterloo sind an Automaten für den Preis von zwei Euro Gedenkmünzen erhältlich – ausgegeben von der Monnaie de Paris, der staatlichen französischen Münzprägeanstalt.

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