Euro-Spezial Ökonomen diskutieren am Kern der Krise vorbei

An Vorschlägen, wie die Euro-Krise am besten zu lösen sei, mangelt es nicht. Das Problem ist: Die Ansätze sind höchst unterschiedlich – und haben fast alle einen gemeinsamen Fehler.

Warum haben die Experten keine Lösung für die Krise?

Eurobonds, Bankenunion, Marshall-Plan, „Grexit“ oder „Nord-Euro“: Fragt man fünf Ökonomen nach Lösungsansätzen für die Schuldenkrise, erhält man oft fünf verschiedene Antworten. Egal, ob man in Deutschland fragt, oder international. Die Wissenschaft agiert ähnlich wie die Euro-Retter in der Politik: Zaudernd, ausschweifend – und viel zu oft am Kern der Krise vorbei.

Während Euro-Kritiker wie Hans-Werner Sinn und Hans-Olaf Henkel für eine Reduzierung der Mitglieder der Währungsgemeinschaft plädieren, erklärt der Wirtschaftsweise Peter Bofinger in seinem neuen Buch „Zurück zur D-Mark? Deutschland braucht den Euro“, dass kein Land seit 2009 „so große Erfolge bei der Haushaltskonsolidierung verzeichnen konnte wie Griechenland“.

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Er fordert, das Land weiter zu unterstützen und die prozyklische Politik zu stoppen, sprich die Rezession in den Schuldenstaaten nicht durch weitere Sparprogramme zu verschlimmern. „In einer idealen Welt würde man (…) in diesen Ländern nach umfangreichen Konjunkturprogrammen rufen. Da dies aktuell nahezu ausgeschlossen ist, wäre schon viel erreicht, wenn die Regierungen darauf verzichten würden, in diesem und im nächsten Jahr noch weitere einschneidende Sparmaßnahmen umzusetzen. Immerhin würden so die Fehler Heinrich Brünings nicht wiederholt.“

Auch renommierten US-Kollegen wie Nouriel Roubini und der britische Historiker Niall Ferguson flehen die Deutschen regelrecht an, „Lehren aus der Vergangenheit“ zu ziehen. Merkel wiederhole die Fehler von Reichskanzler Heinrich Brüning, der die Wirtschaftskrise in den frühen 1930er Jahren durch seine Sparpolitik verschärft habe. Auch Eichengreen und der ehemalige US-Vize-Finanzminister und Berkeley-Professor J. Bradford DeLong, schreiben gemeinsam, dass die Parallelen zwischen Europa in den frühen 30ern und in der Gegenwart "beängstigend" seien. Dass Europa damals gerade einen Weltkrieg hinter sich hatte und der Sozialstaat nur ansatzweise existierte, scheint kaum erwähnenswert.

„Das ist schlimmste Stammtisch-Ökonomie“
Prof. Dr. Walter Krämer, leitet das Institut für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der TU Dortmund und hat den Protestbrief initiiert. Seine Begründung:
Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, hat den Protestbrief der Ökonomen von Walter Krämer redaktionell und begleitet und unterschrieben. Darin steht:
Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, kritisiert dagegen seine Kollegen: „Der Aufruf schürt lediglich Ängste und zeigt keinen einzigen Weg zur Lösung der Probleme auf.“ Quelle: dpa
Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, Michael Hüther, findet kritische Worte: Diese Aktion habe „mit ökonomischer Argumentation nichts zu tun“, sagte Hüther. Quelle: dapd

Von nationalen Interessen geleitet

Wenn es um Deutschland geht, sind sich Amerikas Ökonomen vom notorischer Pessimisten Roubini („Dr. Doom“) bis zum Keynesianer Paul Krugman einig: Europa braucht eine Bankenunion, und Deutschland muss den anderen Ländern der Euro-Zone aus der Patsche helfen, sonst geht die Währungsunion unter. An Selbstgewissheit mangelt es Krugman nicht: „Wir haben das Wissen und die Mittel, um dem Leiden ein Ende zu machen.“

Ökonomen-Streit - Die Geschichte

Das Wissen haben die renommierten Wissenschaftler zweifellos. Doch in der aktuellen Debatte lassen sie sich viel zu oft von ihrer Ideologie treiben – oder schlimmer: von nationalen Interessen. Die USA machen seit Beginn der Krise Druck und fordern, dass Europa die Schuldenkrise per Notenpresse löst. Eine Rezession in Europa gefährdet nämlich die Erholung der US-Wirtschaft. Wer für die Stabilisierung Europas zahlt (und wie nachhaltig diese ist), ist den Wahlkämpfern, Finanzjongleuren und Wissenschaftlern jenseits des Atlantiks egal.

Besser wäre es, die Volkswirte würden  sich auf die Grundsätze ökonomischen und demokratischen Handelns zurückbesinnen – wonach ein Jeder die Konsequenzen seines Handelns selbst zu verantworten und zu tragen hat. Wer gegen Gesetze verstößt, muss sich vor einem unabhängigen Gericht verantworten. Oder: Wer sich Geld leiht, muss es zurückzahlen.

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