Euro-Spezial Treibt Europa Deutschland in die Rezession?

Ohne die Euro-Krise würde die deutsche Wirtschaft boomen. Doch die Probleme der anderen europäischen Länder könnten Deutschland in den Abgrund stürzen. Die Regierung senkte heute ihre Konjunkturprognose.

Stürzt uns Europa in die Rezession?

Die Daten sprechen eine eindeutige Sprache: Der deutschen Wirtschaft steht eine Durststrecke bevor. Seit Frühjahr diesen Jahres haben sich die Geschäftsaussichten der Unternehmen deutlich eingetrübt. Der ifo-Index, das wichtigste Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft, ist im Oktober den fünften Monat in Folge gefallen und erreichte mit 101,4 Punkten den niedrigsten Stand seit Februar 2010. Die schlechten Aussichten zeigen sich auch in der Entwicklung der Auftragseingänge. Diese sanken im August um 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Analysten der Commerzbank gehen deshalb davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal schrumpft.

Was den Deutschen Angst macht
Platz 19: Zerbrechen der PartnerschaftAuf dem letzten Platz des Rankings landet die Sorge vor einem Zerbrechen der Beziehung, und das trotz unvermindert hoher Scheidungsquoten in Deutschland. Mit 20 Prozent der Bundesbürger, die sich hiervor fürchten, hat diese Angst aber im Vergleich zu 2012 zugenommen: Im letzten Jahr waren es vier Prozentpunkte weniger. Etwas mehr Männer (21 Prozent) als Frauen (20 Prozent) haben Angst davor, den Partner zu verlieren. Quelle: dpa
Platz 18: StraftatenVor Gewalt und Unrecht fürchten sich 24 Prozent der Deutschen. Die Angst vor Straftaten hat im Vergleich zu 2012 um zwei Prozentpunkte zugenommen. Quelle: dpa
Platz 17: Vereinsamung im AlterDie Herausforderungen einer alternden Gesellschaft bereiten den Deutschen Kopfzerbrechen. Viele haben Angst davor, im Alter zu vereinsamen. 31 Prozent der Befragten äußerten diese Sorge - zwei Prozentpunkte mehr, als 2012. Männer gaben diese Angst mit 29 Prozent etwas seltener an als Frauen (33 Prozent). Quelle: dpa
Platz 16: Krieg mit deutscher BeteiligungDie Sorge vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung rutscht mit 32 Prozent in den untersten Bereich der Ängste-Skala. Gegenüber dem Vorjahr nahm diese Sorge aber um drei Prozentpunkte zu. Quelle: dpa
Platz 15: Drogensucht der eigenen Kinder35 Prozent der Deutschen fürchten sich davor, dass ihre Kinder drogenabhängig werden könnten. Diese Angst hat im Vorjahresvergleich mit einem Prozentpunkt leicht zugenommen. Frauen (37 Prozent) sorgen sich hier mehr als Männer (33 Prozent) um das Wohlergehen des Nachwuchses. Quelle: dpa
Platz 13/14: ArbeitslosigkeitDas Schreckensgespenst Arbeitslosigkeit hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugelegt. Mit 36 Prozent der Deutschen ist die Furcht vor der eigenen Arbeitslosigkeit um vier Prozentpunkte gestiegen. Noch 2012 war diese Sorge gegenüber 2011 um vier Prozentpunkte zurückgegangen und damit auf den niedrigsten Wert der Studie gesunken – nur 1994 war die Sorge schon einmal so gering. Die Angst vor Arbeitslosigkeit in Deutschland allgemein landet auf dem 13. Platz und kommt auf 39 Prozent - unverändert gegenüber 2012. Quelle: dpa
Platz 12: Sinkender Lebensstandard im AlterZum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig - viele Deutsche haben Angst davor, später einmal finanziell unter Druck zu geraten. 40 Prozent der Bundesbürger - genauso viele wie im vorigen Jahr - fürchten sich vor einem sinkenden Lebensstandard im Alter. Quelle: dpa

Im nächsten Jahr sieht es kaum besser aus: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute halbierten in ihrem Herbstgutachten ihre Wachstumsprognose für 2013 auf 1,0 Prozent. Wenn Investoren und Unternehmer noch heftiger an der Zukunft des Euro zweifeln, sei auch eine Rezession möglich, so die Institute in ihrem Gutachten. Die deutsche Wertschöpfung könnte um bis zu 0,5 Prozent schrumpfen. Auch die Bundesregierung senkte in ihrem Herbstgutachten die Wachstumsprognose für nächstes Jahr auf 1,0 Prozent. Bislang war sie von 1,6 Prozent ausgegangen.

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Schon jetzt sind die Unternehmen verunsichert. Die Angst vor einem Auseinanderbrechen des Euro macht sie bei Neuanschaffungen wie etwa Maschinen sehr vorsichtig. So fallen die Ausrüstungsinvestitionen seit Ende des vergangenen Jahres. Im zweiten Quartal gaben diese um 3,1  Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum nach. Vor allem die gut laufenden Exporte bewahren die Deutschen bisher vor einem Abschwung. Das liegt in erster Linie an der starken Nachfrage außerhalb des Euroraums. 

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Doch in den nächsten Monaten wird ein raueres weltwirtschaftliches Klima die Ausfuhren bremsen. Wenn dann noch die inländischen Investitionen weiter einbrechen, weil die Euro-Krise sich erneut zuspitzt,  droht der deutschen Wirtschaft eine Rezession. Und das ist sehr wahrscheinlich, denn ein Ende der Krise ist fern. Mit dem neuen Anleihekaufprogramm gibt die EZB den Krisenländern noch mehr Zeit, die notwendigen Reformen auf die lange Bank zu schieben. Doch das notwenige Vertrauen von Investoren und Anlegern wird sie dadurch nicht dauerhaft gewinnen können.

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Dabei ist die Ausgangslage für die deutsche Wirtschaft gut. Erneut sanken die ohnehin schon niedrigen Geldmarktzinsen. Zwar war der Euro zuletzt etwas stärker, doch der reale Außenwert einer fiktiven D-Mark ist immer noch drei Prozent niedriger als im Vorjahr - das erhöht die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure. Die Institute erwarten für 2013 steigende Einkommen, der reale Kaufkraftzuwachs wird bei 1,1 Prozent liegen. Die Arbeitslosenquote soll auf 6,7 Prozent sinken: Wäre die Euro-Krise nicht, würde unsere Wirtschaft kräftig boomen.

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