Euro-Zone Inflationsrate könnte noch lange niedrig bleiben

EZB-Beobachter rechnen noch für die nächsten Jahre mit niedrigen Inflationsraten in der Euro-Zone. Gleichzeitig warnt die Zentralbank in ihrem Monatsbericht vor konjunkturellen Risiken.

Wie lange bleiben die Inflationsraten in der Euro-Zone niedrig? Quelle: REUTERS

Das Deflationsgespenst dürfte der Euro-Zone noch länger erhalten bleiben. Denn nach Ansicht von Experten wird sich die niedrige Inflation im Währungsraum erst in Jahren normalisieren. Wie aus der am Donnerstag von der Europäischen Zentralbank (EZB) veröffentlichten Umfrage unter professionellen Beobachtern ihrer Geldpolitik hervorgeht, rechnen diese erst im Jahr 2019 wieder mit fast stabilen Preisen.

Demnach soll sich 2016 die Inflationsrate mit 1,5 Prozent langsam dem von der Zentralbank angestrebten Wert von knapp zwei Prozent annähern. Im laufenden und im nächsten Jahr wird dieses Ziel jedoch wohl deutlich verfehlt: Die Beobachter rechnen für 2014 mit einem Wert von 0,7 Prozent. Im Mai hatten sie noch 0,9 Prozent veranschlagt. Nächstes Jahr dürfte die Teuerung den Schätzungen zufolge dann auf 1,2 (Mai: 1,3) Prozent steigen.

Die wichtigsten Fakten zur niedrigen Inflation

Die Statistikbehörde Eurostat bestätigte am Donnerstag offiziell die niedrigen Inflationsraten. Die jährliche Teuerungsrate lag im Juli bei 0,4 Prozent, teilten die Statistiker am Donnerstag in Luxemburg mit und bestätigte damit eine erste Schätzung. Eine niedrigere Rate gab es zuletzt im Oktober 2009 mit minus 0,1 Prozent. Im Vormonat Juni hatte die Inflationsrate bei 0,5 Prozent gelegen. Hauptgrund für die niedrigen Raten sind sinkende Energiepreise. Auch die Preise für Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak gingen zurück. Teurer wurden zum Beispiel Restaurant- und Cafébesuche, Mieten und Fahrzeugreparaturen.

Konjunkturelle Skepsis

Die neuen Zahlen könnten EZB-Chef Mario Draghi zum Handeln veranlassen. Zuletzt beließ die Zentralbank ihren Leitzins bei 0,15 Prozent. Draghi rechnet mit einer längeren Phase niedriger Inflation. Als Abwehrmittel gegen einen konjunkturschädlichen Preisverfall hält die Zentralbank ein Wertpapierankaufprogramm bereit. Es soll aber nur zum Einsatz kommen, wenn der Euro-Zone eine Deflation und ein Konjunktureinbruch drohen.

Die professionellen Beobachter gehen davon aus, dass die Euro-Zone dieses Jahr um 1,0 Prozent wachsen wird. Das Wachstum soll sich 2015 auf 1,5 Prozent beschleunigen. Sie blicken damit etwas skeptischer auf die Konjunkturentwicklung in diesem Jahr als noch im Mai. Damals veranschlagten sie für 2014 ein Wachstum von 1,1 Prozent. Die EZB befragt vierteljährlich professionelle Beobachter ihrer Geldpolitik. Die Umfrage dient dem Abgleich der Sicht der EZB mit der Einschätzung der Akteure am Finanzmarkt.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

In ihrem Monatsbericht warnt die Zentralbank auch vor weiteren Risiken. „Insbesondere erhöhte geopolitische Risiken sowie die Entwicklung in den Schwellenländern und an den globalen Finanzmärkten könnten die Konjunkturlage negativ beeinflussen“, schreiben die Währungshüter. Denkbar seien Auswirkungen auf die Energiepreise und die weltweite Nachfrage nach Erzeugnissen aus den 18 Euroländern. EZB-Präsident Draghi hatte vor einer Woche in Frankfurt gesagt, nach seiner Einschätzung werde „insbesondere die Lage in der Ukraine und Russland (...) größere Auswirkungen auf die Eurozone haben“. Was genau die Sanktionen gegen Russland und die Gegenmaßnahmen der russischen Seite für die Wirtschaft des Währungsraums nach sich ziehen werden, sei allerdings noch schwer abschätzbar.

Erst Anfang September wird die EZB erneut über ihren Leitzins entscheiden. Dass dieser erneut gesenkt wird, gilt als unwahrscheinlich. Allerdings deutete Draghi in der vergangenen Woche an, die EZB arbeite an der Wiederbelebung des Marktes für Kreditverbriefungen. Falls nötig, wolle die Zentralbank bereit sein, um Papiere zu kaufen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%