Euro-Zone verharrt in der Rezession Zahlen lügen nicht

Europas Politiker versprühen Optimismus, US-Bank Morgan Stanley empfiehlt gar den Kauf von griechischen Staatsanleihen. Die offiziellen Wachstums-Zahlen sprechen eine andere Sprache.

Die zehn größten Euro-Lügen 2013
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Auf den ersten Blick ist alles in bester Ordnung: „Das Glas ist halbvoll“, sagt Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras. Die Wirtschaft werde sich erholen, ist er sich sicher. Eine Umfrage gibt ihm Rückenwind: Demnach ist die Stimmung in der Wirtschaft im April auf den höchsten Stand seit fast dreieinhalb Jahren gestiegen. Die Ratingagentur Fitch hat griechische Staatsanleihen am Dienstag hochgestuft. Die Papiere werden nun mit „B-„ statt „CCC“ bewertet. Damit gelten die Papiere zwar immer noch als Ramsch, aber es drohe kein direkter Zahlungsausfall. Die US-Bank Morgan Stanley empfiehlt gar den Kauf dieser Papiere.

Alles gut also in Griechenland, Südeuropa und der Euro-Zone? Wohl kaum. Denn anders als subjektive oder gar gefärbte Eindrücke von Regierungspolitikern und Investoren, lügen die nackten Zahlen von Eurostat nicht. Demnach ist etwa die griechische Volkswirtschaft um 5,3 Prozent des BIP im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geschrumpft. Zum 19. Mal steht damit ein Minus vor der Wachstumszahl. Zuletzt wuchs die griechische Wirtschaft im zweiten Quartal 2008 – um 0,1 Prozent.

Griechenland ist kein Einzelfall. Im Gegenteil: Positive Signale gibt es in der Euro-Zone gut wie keine. Die Wirtschaft in Deutschland wuchs um 0,1 Prozent. Auch Belgien konnte sich über ein Mini-Plus freuen. Österreich Wirtschaft stagnierte. In allen anderen Euro-Ländern, in denen bislang Zahlen vorliegen, steht ein Minus zu Buche.

Europas Musterschüler

Die Folge: Die Wirtschaft in der Euro-Zone ist auch Anfang 2013 in der Rezession geblieben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den 17-Ländern schrumpfte zwischen Januar und März um 0,2 Prozent zum Vorquartal.

Düster sieht es vor allem in Italien aus. Das Land steckt in der längsten Rezession seit Jahrzehnten. Die Wirtschaftskraft büßte zum Jahresauftakt 0,5 Prozent ein. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone schrumpft damit schon seit sieben Quartalen in Folge und damit so lange wie noch nie seit Beginn der Statistik 1970. Auch in Frankreich sank das BIP mit 0,2 Prozent stärker als angenommen. Auch Slowenien muss ein kräftiges Minus verkraften.

Die Zahlen zeigen: Statt auf ihren Bauch sollten die Politiker in Euro-Land auf die Zahlen hören. Sie zeigen, dass nach wie vor nachhaltige Wachstumsimpulse nötig sind. Diese – ja, wir haben es oft geschrieben – können nur durch Strukturreformen ausgelöst werden. Doch am Reformeifer mangelt es nach wie vor in fast ganz Europa. Heute bekamen die Staats- und Regierungschef dafür die Quittung.

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