Eurokrise Michael Fuchs: Griechenland ist nicht zu retten

Exklusiv

Unter Unionspolitikern wächst der Unwille, weitere Milliardenhilfen nach Athen zu schicken.

Griechenland zu verkaufen
Airbus A340Der Verkauf von vier Flugzeugen des Typs Airbus A340 neues Geld in die leere griechische Staatskasse spülen. Griechenlands Premierminister Samaras erwartet, dass die Flieger der früheren Staatsairline Olympic Airways für jeweils 32,9 Millionen Euro veräußert werden können. Quelle: REUTERS
Öffentliche Telefonanlage in Athen
Lokomotive der griechischen Eisenbahngesellschaft OSE Quelle: dpa
Glücksspiel Quelle: OPAP
Akropolis in Athen
Griechische Euromünzen
GrundstückeAuf den Inseln Korfu und Rhodos will die griechische Regierung riesige Grundstücke am Meer verkaufen. Beim Ort Afantou auf Rhodos sind es 1,9 Millionen Quadratmeter und bei Kassiopi auf Korfu sind es 490.000 Quadratmeter. Quelle: gms
Hafen in Griechenland
Flughafen in Athen
Griechische Soldaten transportieren eine Rakete
Hahn zu einer Gaspipeline
Männer verteilen auf einer griechischen Straße Flugzettel

„Griechenland ist nicht zu retten, das ist simple Mathematik“, sagte Michael Fuchs, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU im Bundestag, der WirtschaftsWoche. „Im September fällt die Entscheidung.“ Denn faktisch habe sich in Griechenland kaum etwas zum Besseren gewendet: „Die Verwaltung dort ist weder willens noch in der Lage, die Reformen umzusetzen. Selbst wenn die griechische Regierung sonst was beschließen würde.“

Darum geht es im Ökonomenstreit
Seit drei Wochen spaltet ein heftiger Streit um die Euro-Rettungspolitik Deutschlands Ökonomenzunft. WirtschaftsWoche Online dokumentiert, wer sich in den vergangenen Wochen zu Wort gemeldet hat. Quelle: rtr
Gustav Horn"Die Sprache dieser Ökonomen stößt mich ab. Sie ist geprägt von nationalen Klischees und einem latenten Nationalismus aus PR-Gründen. Ich schäme mich, dass  so viele  Kollegen ein solches Dokument unterzeichnen. Das wirft kein gutes Licht auf unsere Zunft.“ “Ich wünschte Hans Werner Sinn würde in Urlaub fahren und schweigen.“„Er (Sinn) will offenbar den Euro zerstören.” Quelle: dpa
IW-Chef Michal Hüther „Der Aufruf  ist nicht wissenschaftlich, sondern rein emotional.“„Ich glaube, viele der Unterzeichner haben den Aufruf gar nicht richtig gelesen, den man ihnen da vorgelegt hat.“ Quelle: dapd
Peter Bofinger"Der Aufruf schadet dem öffentlichen Ansehen der deutschen Wirtschaftswissenschaft" Quelle: dapd
Dennis Snower„Der erste Aufruf war sehr emotional. Natürlich haben auch Ökonomen Emotionen, aber hilfreich war diese Aktion nicht.“ Quelle: dpa
Walter Krämer„Was von unseren Gegnern an Gehässigkeit in die Tinte geflossen ist, das ist ja kaum zu glauben. Leute wie Herr Bofinger, der übrigens eine akademische Nullnummer ist. Keiner nimmt ihn ernst, er ist nur in den Rat gekommen, weil von den Gewerkschaften rein kooptiert worden ist. Wenn hier jemand auf Stammtischniveau argumentiert, dann die Gegenseite.“
Hans-Werner Sinn und Walter Krämer in einem FAZ-Gastbeitrag„Wir weisen die Anschuldigung, die Öffentlichkeit sei in unserem Aufruf falsch informiert worden, entschieden zurück” Quelle: dpa
Bert Rürup„Sicher ist, dass sie in ihrem offenen Brief eine in der Bevölkerung verbreitete diffuse Skepsis gegenüber der Politik und der Währungsunion aufnehmen und verstärken – auch mit populistischen Behauptungen.“ Quelle: ap
Barry Eichengreen„Der Brief ist reich an hitziger Rhetorik und arm an sachlichen Details.“
Klaus Adam„Wie viele meiner Kollegen habe ich den Aufruf unterschrieben, um Sinn den Rücken zu stärken.“„Der Ton [des Aufrufs]war notwendig, um eine breite Wirkung zu entfalten.“
Rudolf Hickel Quelle: dpa
Michael Burda„Der Aufruf hat mich aufgeregt. Der Stil des Briefs an die Bürger hat die Politiker verärgert. Er war zu emotional, ich würde fast sagen: nationalistisch, Deutschland kann jetzt nicht seine Taschen ganz öffnen, es muss Bedingungen stellen.“

Frisches Geld dürfe es für Hellas nicht mehr geben, im Parlament sei der Widerstand von Abstimmung zu Abstimmung gewachsen, so Fuchs. „Zur Vermeidung der Ansteckungsgefahr war es richtig, Zeit zu kaufen. Jetzt können und müssen wir aber davon ausgehen, dass alle anderen Länder und die Banken ihre Hausaufgaben gemacht haben.“

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Zwar hält Markus Ferber, Vorsitzender der CSU-Gruppe im Europaparlament, es noch für möglich, „Griechenland im Euro zu halten“. Wenn die neue Regierung „bis zum Jahresende das Ruder herumwirft und die notwendigen Reformen auf den Weg bringt, kann das für Griechenland und diese Regierung ein Erfolg werden“.

Aber auch er ist von Politik und Verwaltung in Griechenland enttäuscht: „Die Griechen haben immer noch nicht kapiert, dass es mit Spielchen vorbei ist.“ Ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro hätte, so die Einschätzung Ferbers, jedenfalls „heute keine dramatischen Auswirkungen für den Euro-Raum mehr“.

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