Europa Österreich entwickelt sich zum Sorgenkind

Um die österreichische Wirtschaft steht es schlecht: Die Wachstumsraten sind niedrig, die Investitionen gehen zurück, die Verschuldung schoss zuletzt in unerwartete Höhen. Das sind die Probleme der Alpenrepublik.

Wie schlecht steht es um die österreichische Wirtschaft? Quelle: dpa Picture-Alliance

Mit der Wirtschaft in der Eurozone geht es wieder aufwärts: Spanien, Portugal und Italien geht es immer besser. Schlagzeilen macht zwar vor allem Griechenland – im negativen Sinne. Österreich galt an der Seite Deutschlands bislang immer als ein Garant für Stabilität und gute Bonität. Anfang des Jahres aber hat die US-Ratingagentur Fitch Österreich die Spitzennote AAA gestrichen – und das Land auf AA+, die zweitbeste Bewertung, zurückgestuft.

Grund dafür war ein nicht erwarteter Anstieg der Verschuldung auf 89 Prozent. Außerdem seien auch die Wachstumsaussichten „mäßig“. Obwohl das Finanzministerium zunächst beruhigt und im „aktuellen Rating keine negativen Auswirkungen“ auf Österreich sieht, ist es das Wachstum, das dem Land in Zukunft große Probleme machen wird.

Die größten Pleitestaaten der Welt
Norwegische Insel Quelle: dpa
Reichstag Quelle: dpa
Gracht in Amsterdam Quelle: AP
Akropolis Quelle: AP
Brunnen am österreichischen Parlamentsgebäude Quelle: dpa
Schweizer Flagge Quelle: dpa
Big Ben und Westminster Abbey Quelle: REUTERS
Eiffelturm und Feuerwerk Quelle: dpa
Vancouver Lake Quelle: AP
Platz 6: ItalienItaliens Schulden sind mit 2,75 Billionen Euro immens hoch. Schließlich ist das mehr, als die italienische Volkswirtschaft in einem Jahr erwirtschaftet. Die Schulden im Verhältnis zum BIP liegen bei 139,5 Prozent. Die 60,8 Millionen Italiener sind im Durchschnitt pro Kopf mit 46,757 US-Dollar (rund 45.000 Euro) verschuldet. Quelle: dpa
Platz 5: BelgienNoch höher sind die Schulden pro Einwohner allerdings in Belgien. Hier beträgt die Pro Kopf-Verschuldung 47.749 US-Dollar (44,338 Euro). Die absoluten Staatsschulden belaufen sich auf 375 Milliarden Euro. Das entspricht ziemlich genau der Wirtschaftsleistung des Landes. Quelle: dpa
Platz 4: SingapurDas asiatische Land gilt als wirtschaftlicher Vorreiter in der Region. Allerdings ist die Schuldenlast des 5,5-Millionen-Einwohner-Staates hoch: Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei 56.980 US-Dollar (52,910 Euro). Insgesamt liegen die Staatsschulden bei 106,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Quelle: dpa
Platz 3: USAMehr als eine Billion Dollar Defizit stand in den Haushaltsbüchern der USA, als Obama Präsident wurde. Noch im letzten Jahr schoben die Vereinigten Staaten von Amerika einen gigantischen Schuldenberg in Höhe von 18,195 Billionen US-Dollar vor sich her - das waren 58,604 US-Dollar (54,418 Euro) pro Kopf. Mittlerweile hat sich das Haushaltsloch verringert. Wegen höherer Einnahmen und geringerer Ausgaben werde nun nur noch mit einem Defizit von 455 Milliarden Dollar (413 Milliarden Euro) gerechnet. Im kommenden Haushaltsjahr soll das Loch dann bei 429 Milliarden Dollar und damit bei 2,3 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Quelle: dpa
Platz 2: IrlandGetoppt wird die Pro-Kopf-Verschuldung nur noch von Irland und einem weiteren Land. Das Euro-Land hat infolge der Finanzkrise eine Pro-Kopf-Verschuldung von über 60,000 US-Dollar aufgebaut. Die Gesamtschulden betragen 121 Prozent des irischen BIP. Zahlen, über die der Spitzenreiten nur lachen kann... Quelle: dapd
Platz 1: JapanJapans Verschuldung beträgt inzwischen über zehn Billionen US-Dollar. Das sind 199 Prozent des BIP - oder 79,525 US-Dollar (73,844 Euro) pro Einwohner. Quelle: dpa

Im EU-Vergleich hinkt die Wirtschaft der Alpenrepublik hinterher: Im ersten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat um lediglich 0,1 Prozent gegenüber dem letzten Quartal 2014. Für Österreich ist das zwar ein kleiner Erfolg - zuletzt lag die Steigerung bei 0,0 Prozent. Das durchschnittliche BIP in der EU liegt allerdings bei 0,4 Prozent.

„Die Situation für die österreichische Wirtschaft ist beunruhigend“, sagt Bernhard Felderer, Präsident des östereichischen Fiskalrats. Das Gremium übernimmt Überwachung europäischer Finanzvorschriften in Österreich. In einer Rezession befinde sich das Land aber nicht, ergänzt Wirtschaftsforscher Karl Aiginger. Er ist seit 2005 Leiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Es gebe ein niedriges Wachstum, aber keinen Rückgang der Wirtschaftsleistung. „Eine der Ursachen für die Schwächeperiode ist eine ungünstige Entwicklung von Märkten mit hohem Wachstumspotential und starker österreichischer Präsenz wie zum Beispiel die Schwarzmeerregion und Russland“, sagt Aiginger.

Pleite Kärntens wurde abgewendet

Aber das sind nicht die einzigen Probleme, die Österreich hat: Hinzu kommt etwa die Milliarden-Pleite der Hypo Alpe-Adria, die nicht nur den Freistaat Bayern, sondern auch Österreich insgesamt mehr als acht Milliarden gekostet hat. Über die Folgen ist eine ganze Reihe von Rechtsstreitigkeiten in Deutschland und Österreich entbrannt und dem Bundesland Kärnten drohte Anfang Juni die Pleite. Diese scheint nun in letzter Sekunde mit einem Notkredit abgewendet, das Problem der offenen Milliardenhaftungen für die Hypo Alpe-Adria bleibt aber ungelöst. Die Pleite Kärntens konnte aber nur abgewendet werden, weil Österreich über ihre Bundesfinanzierungsagentur 343 Millionen Euro auf den Kapitalmärkten aufgenommen hat.

„Die staatlichen Budgets sind unter anderem durch die Last der Bankensanierung, aber auch durch hohe Pensionsausgaben belastet“, sagt Wirtschaftsforscher Aiginger. Ein Österreicher geht durchschnittlich mit 59 Jahren in Rente und erhält weiterhin bis zu 71 Prozent seines Einkommens. Mit dem frühen Renteneintrittsalter liegt Österreich zusammen mit Belgien an dritter Stelle.

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