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Europa Wie die EZB die Eurokrise verschärft

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Verlockende Währungsgewinne

Länder mit schwacher Wirtschaftsentwicklung, hohen Haushaltsdefiziten und hohen Schuldenquoten wären von einer Zinswende besonders betroffen. Dazu gehören auch die Euro-Kernländer Italien und Frankreich. Länderspezifische Faktoren werden an den Anleihemärkten der Eurozone in Zukunft wieder eine größere Rolle spielen. Die Fundamentaldaten signalisieren ein extrem hohes Kursrisiko.

Die seit Sommer 2012 synchronisierte und auf eine Abwertung von Dollar und Yen abzielende Geldpolitik der Notenbanken in den USA und Japan hat die Staatsanleihen der Euro-Peripherie zu wilden Spekulationsobjekten gemacht. Ohne die rotierenden Notenpressen in den USA und Japan wäre es nie zu dem aberwitzigen Renditerückgang bei südeuropäischen Staatsanleihen gekommen.

2014 – ein heikles Jahr für die EZB

Die US-Notenbank Fed weitete ihre Bilanz binnen zwei Jahren um knapp 1500 Milliarden Dollar oder 50 Prozent aus. Die japanische Notenbank kommt mit einer Zunahme von beinahe 1000 Milliarden Dollar gar auf ein Plus von 70 Prozent. Mit seinem Versprechen vom 26. Juli 2012, alles Notwendige für den Erhalt der Europäischen Währungsunion zu tun („whatever it takes”), sicherte EZB-Präsident Mario Draghi die spekulativen Kapitalbewegungen in Richtung Eurozone ab und hat diese maßgeblich befeuert.

Die so entfachte Anlageblase in Staatsanleihen der Euro-Peripherie basiert vor allem auf so genannten Carry-Trades. An vorderster Front haben dabei Hedgefonds extrem zinsgünstige Kredite in Yen und Dollar aufgenommen und die Mittel in hochverzinslichen Staatsanleihen von Italien, Spanien, Portugal oder Griechenland angelegt.

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    So kreditwürdig sind die Eurostaaten
    Das Centrum für europäische Politik (CEP) hat die Kreditfähigkeit der Euro-Staaten analysiert. Einen besonders intensiven Blick haben die Wissenschaftler auf Belgien, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien geworfen. Das Resultat: die Probleme, die zur Euro-Krise geführt haben, bestehen weiterhin - und haben sich sogar auf weitere Länder ausgeweitet. Quelle: dpa
    Die Kreditfähigkeit von Spanien nimmt erstmals seit Einführung des Euros zu. Die Ampel für Spaniens Kreditwürdigkeit steht auf grün, das CEP vergibt beim Schuldenindex eine Wertung von 2,3. Ein positiver Wert des CEP-Default-Indexes bei gleichzeitigem gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsüberschuss bedeutet: Das Land benötigt in der betrachteten Periode keine Auslandskredite, es steigert daher seine Kreditfähigkeit. Diese positive Entwicklung dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Land noch weitere Konsolidierungs- und Reformmaßnahmen umsetzen muss, um die in den Krisenjahren drastisch angestiegene Staatsverschuldung und die hohe Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Quelle: dpa
    Auch für Irland steht die Ampel auf grün. Der ehemalige Krisenstaat hat, wie die kontinuierliche Zunahme der Kreditfähigkeit seit 2010 zeigt, die Krise überwunden. Der Schuldenindex beträgt 6,7, ist also deutlich positiv. Aufgabe muss es nun sein, die Investitionen, die auf fast Null gesunken sind, zu steigern, um die Wirtschaft wieder voran zu treiben. Quelle: dpa
    Für Portugal zeigt die Ampel dagegen rotes Licht: Zwar erodiert die portugiesische Kreditfähigkeit noch immer. Der ununterbrochene Anstieg des Schuldenindexes seit 2011 zeigt jedoch, dass Portugal erhebliche Anstrengungen unternommen und Anpassungen bewältigt hat. Derzeit beträgt der Index -2. Unbeschadet dieser positiven Entwicklungen ist es allerdings fraglich, ob Portugal bereits ohne weitere Finanzhilfen auskommen wird, wenn das Anpassungsprogramm Mitte 2014 ausläuft. Quelle: dpa
    Auch Italien gehört zu den Ländern mit einer "verfestigten abnehmenden Kreditfähigkeit", wie es beim CEP heißt. Die seit 2009 zu beobachtende Erosion der Kreditfähigkeit von Italien dauere an. Gegenüber 2012 habe sich der Verfall beschleunigt. Es sei fraglich, ob sich dies auf absehbare Zeit ändere. Denn die hierfür notwendigen Reformen und Konsolidierungsmaßnahmen seien von der italienischen Regierung bisher nicht ergriffen worden. Quelle: dpa
    Ganz mies ist die Lage in Griechenland: Mit einem Wert von -9,8 hat Griechenland die schlechteste Kreditwürdigkeit aller 31 untersuchten Staaten. Die Kreditfähigkeit des Landes verfällt weiter und zwar deutlich schneller als die aller anderen Euro-Länder. Die Wiedererlangung der griechischen Kreditfähigkeit ist nicht absehbar, die Ampel steht auf dunkelrot. Quelle: dpa
    Eine negative Überraschung kam in diesem Jahr aus dem Norden Europas: Belgien und Finnland weisen im ersten Halbjahr 2013 erstmals eine abnehmende Kreditfähigkeit auf. Da beide Länder noch über Auslandsvermögen verfügen, ist die Schuldentragfähigkeit allerdings noch nicht unmittelbar bedroht, die Ampel zeigt gelb-rot. Der CEP-Default-Index liegt im Falle Belgiens bei -0,5, bei Finnland beträgt er -0,1. Ein negativer Wert kann auf zwei Arten entstehen: 1. Die Nettokapitalimporte übersteigen die kapazitätssteigernden Investitionen. Das Land konsumiert über das im Inland erwirtschafteten Einkommen auch einen Teil des Nettokapitalimports. Die Volkswirtschaft verschuldet sich folglich im Ausland, um Konsumausgaben finanzieren zu können. 2. Kapital verlässt das Land, so dass der gesamtwirtschaftliche Finanzierungssaldo positiv ist. Gleichzeitig jedoch schrumpft der Kapitalstock. Das Land verarmt. Quelle: dpa

    Neben Zins- und Kursgewinnen lockten zusätzlich Währungsgewinne. Gegenüber dem Yen wertete der Euro seit Sommer 2012 von 96 bis 145 Yen auf. Gegenüber dem Dollar legte die Einheitswährung von 1,206 auf bis zu 1,393 Dollar zu. Gleichzeitig fiel der von der Deutschen Bank berechnete Devisen-Volatilitätsindex CVIX auf ein Rekordtief von 5 Punkten - ideale Bedingungen für Dollar- oder Yen-finanzierte Carry-Trades in südeuropäischen Staatsanleihen.

    Doch die im Mai einsetzende Euro-Schwäche bringt diese Carry-Trades jetzt zunehmend in Gefahr. Wer sich etwa in den ersten vier Monaten dieses Jahres in Yen verschuldet und in griechische Staatsanleihen investiert hat, liegt mit seinen Positionen jetzt unter Wasser. Die Kursschwäche korrespondiert auffällig mit der Schwäche des Euro gegenüber dem Yen. Anleger sollten jetzt die Marke von 136,26 Yen pro Euro im Auge behalten. Dort endete im Februar die die letzte Euro-Schwäche.

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