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Europäische Union Warum lieben alle den Euro?

Eine Umfrage zeigt: 69 Prozent der Deutschen wollen die Gemeinschaftswährung behalten. Es ist der höchste Wert seit der Einführung 2002. Auch im Euro-Ausland finden die Bürger den Euro gut. Wieso bloß?

Die zehn größten Euro-Lügen 2013
Francois hollande Quelle: dpa
Mario Draghi Quelle: dpa
José Manuel Barroso Quelle: REUTERS
Wolfgang Schäuble Quelle: AP
Martin Schulz Quelle: REUTERS
Antonis Samaras Quelle: dapd
Jean-Claude Juncker Quelle: dpa

Nein, da kann EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso noch so oft das Gegenteil behaupten: Die Euro-Krise ist längst nicht vorbei. Zypern ist vor wenigen Wochen unter den Rettungsschirm geflüchtet. Mit Slowenien, Malta und Italien stehen weitere potenzielle Kandidaten Schlange. Deutschland haftet mit Milliarden für die Kredite an die Euro-Pleiteländer. Und auch die Sparer leiden unter dem Euro: Niedrigzinsen, die unter der Inflationsrate liegen, vernichten schlichtweg Einkommen.

Trotz allem lässt die Unzufriedenheit über den Euro nach. Mehr als zwei von drei Deutschen (69 Prozent) wollen die Gemeinschaftswährung laut einer Umfrage behalten. Nie war die Zustimmung zum Euro seit dessen Einführung 2002 höher. Im vergangenen Jahr war noch jeder Zweite Euro-skeptisch eingestellt. Heute wünschen sich nur 27 Prozent die D-Mark zurück, ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des „Handelsblatt“.

Sogar die meisten Griechen wollen den Euro behalten

Auch im Euro-Ausland ist von Euro-Ablehnung nichts zu spüren – auch wenn man zuweilen einen anderen Eindruck gewinnen könnte. So zeigen Umfragen, dass zwei Drittel der Griechen am Euro festhalten wollen. Die Wut der Menschen richtet sich nicht gegen die Gemeinschaftswährung, sondern gegen die Sparpolitik der Regierungen, (in weiten Teilen zu Recht) gefordert von der Troika. Ähnlich das Bild in Italien. Der Wahlerfolg des Fünf-Sterne-Chefs Beppe Grillo, der ein Euro-Referendum für Italien fordert, wurde zuvorderst aus Protest gegen die Politik gewählt. In einer Umfrage des Instituts Ispo sprachen sich zuletzt immer noch drei Viertel der Italiener für den Euro aus. Gerade einmal 16 Prozent – und damit weniger Bürger als in Deutschland – halten die Rückkehr zur Nationalwährung für eine gute Idee.

Das sind die neuen Euro-Banknoten
Die Europäische Zentralbank (EZB) stellte die neue "Europa"-Serie der Euro-Scheine im Januar in Frankfurt vor. EZB-Präsident Mario Draghi unterzeichnete symbolisch eine Fünf-Euro-Note und erklärte, die neuen Scheine seien noch haltbarer und sicherer vor Fälschungen. Die neuen Fünf-Euro-Scheine kommen ab dem 2. Mai in Umlauf, die anderen Noten folgen nach und nach. Die neue Serie ähnelt stark der bisherigen, verfügt aber über zusätzliche Sicherheitsmerkmale. Alle alten Euro-Scheine behalten zunächst ihre Gültigkeit. Quelle: dapd
Mehr als zehn Jahre ist es bereits her, dass die ersten Euro-Banknoten ausgegeben wurden. Mit der Zeit sind jedoch auch immer mehr gefälschte Euro-Banknoten in Umlauf gebracht worden – und die Fälschungen wurden zudem immer besser. Dabei hatten die Geldscheine bei ihrer Einführung noch als fälschungssicher gegolten. Im Hologrammband sollen die neuen Scheine ein Porträt der Europa – einer Gestalt aus der griechischen Mythologie und Namensgeberin unseres Kontinents – tragen. So ist Europa unter anderem als Hologramm im Sicherheitsstreifen zu sehen. Dieser wurde neu gestaltet und verbessert. Die EZB bezeichnet die neue Europa-Serie als das Ergebnis von Fortschritten, die in den mehr als zehn Jahren seit der Einführung der ersten Euro-Serie im Bereich Banknoten-Technologie erzielt wurden. Quelle: © Europäische Zentralbank Quelle: Presse
Die Sicherheitsmerkmale konnten weiter verbessert werden; die neuen Euro-Geldscheine werden somit fälschungssicherer sein. Im November 2012 präsentierte die Zentralbank drei der neuen Sicherheitsmerkmale – etwa das Porträt-Wasserzeichen.
Der aufgedruckte Wert der Banknote soll seine Farbe von smaragdgrün in ein tiefes Blau ändern, wenn man den Geldschein etwas neigt. Einen ersten kompletten Geldschein mit den neuen Sicherheitsmerkmalen stellte die EZB im Januar 2013 der Öffentlichkeit vor. Quelle: © Europäische Zentralbank Quelle: Presse
Weitere Neuerungen: An beiden Rändern auf der Vorderseite des 5-Euro-Scheins ist eine Art Riffelung aufgebracht. Das Kürzel für die Europäische Zentralbank ist in neun Sprachen aufgedruckt, bisher waren es fünf. Zudem steht es auf der Vorderseite nicht mehr oben, sondern am linken Rand des Scheins. Und die Oberfläche des Scheins ist wegen einer Speziallackierung relativ glatt. Quelle: dpa
Anfangs werden die beiden Euro-Banknotenserien parallel zueinander im Umlauf sein, dann wird die erste Serie allmählich aus dem Verkehr gezogen und verliert letztlich den Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Der Zeitpunkt, zudem dies erfolgt, wird weit im Voraus bekannt gegeben. Ihren Wert behalten die Banknoten der ersten Serie für immer und können daher jederzeit bei den nationalen Zentralbanken des Eurosystems – hierzulande bei der Bundesbank und ihren Zweigstellen - umgetauscht werden. Quelle: dpa

Warum nur mögen trotz aller Krisen auf dem Kontinent alle den Euro? In Sachen Südeuropa ist die Antwort klar: Hier hofft man weiterhin auf Wohlstandsgewinne. Die wirtschaftliche Annäherung der schwachen Staaten an die Wirtschaftsmacht Deutschland ist schließlich eines der Grundversprechen der Gemeinschaftswährung („Mehr Konvergenz“). Dass sich die Schwachen an den Starken orientieren, ihre Preise senken und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, hat sich allerdings als historischer Irrtum erwiesen. Nun soll die Annäherung per Scheck geschehen. Mal soll Deutschland per Eurobonds für die Euro-Zone haften, mal per dramatischen Lohnsteigerungen seine Marktvorteile aufgeben. Entscheidung offen.

Klar ist: Mit dem Ausscheiden aus dem Euro-Raum wären Griechenland und Italien hoffnungslos überschuldet. Ihre Altschulden (in Euro) könnten sie in Drachmen oder Lira, die dramatisch abwerten würden nie zurückzahlen. Noch höhere Arbeitslosigkeit und mehr Armut wären die Folgen.

So weit, so nachvollziehbar. Doch was hält die Deutschen im Euro-Raum?

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