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Europawahl Darum wähle ich "Die Partei"

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Moderne Turbosatire

Provokationen haben noch eine weitere Funktion: Sie können Reizpunkte setzen, den politischen Betrieb aufmischen, Institutionen und Politikern den Spiegel vorhalten, sie aus Routinen herausreißen – und Debatten anstoßen. Auch dafür ist die "Partei" in Brüssel überaus brauchbar.

Aber: Darf man eine Spaßpartei überhaupt so ernst nehmen?

"Wenn Sie die Alternativen betrachten, fürchte ich, bleibt Ihnen gar keine andere Wahl", sagt Sonneborn, warnt aber davor, "die Wirkungsmöglichkeiten moderner Turbosatire" zu überschätzen. "Vergessen Sie nicht, wir sind destruktiv tätig."

Doch es braucht keinen Verweis auf Schumpeter um darzulegen, warum Sonneborns subversiv-zerstörerische Tätigkeit auch schöpferisch-konstruktive Potenziale in sich trägt.

Wer jedenfalls im Fernsehduell beobachten musste, wie die Spitzenkandidaten Martin Schulz von den Sozialdemokraten und Jean-Claude Juncker von den Christdemokraten auf Kuschelkurs gingen, der wünschte den beiden schon aus ihrem eigenen Interesse einen Störenfried wie Sonneborn in die Runde, um ein bisschen Feuer in die Debatte zu bringen.

Viele Floskeln

Die Programme der großen Parteien wecken auch nicht viel mehr Begeisterung und Leidenschaft für die EU. Sie enthalten manche gute Idee, aber vor allem jede Menge Floskeln. „Europa eine neue Richtung geben“, hat die SPD über ihr Programm geschrieben, "Gemeinsam erfolgreich in Europa" die CDU.

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Niemand nimmt das so gekonnt aufs Korn wie Martin Sonneborn. "Inhalte überwinden" lautet eine Forderung der Partei, die Sonneborn so erklärt: "Ich glaube nicht, dass wir inhaltsleerer und populistischer sind als andere Parteien. Wir sind die modernste und populistischste aller Parteien."

Das ist Satire von ihrer besten Seite.

Kurt Tucholsky schrieb einmal: "Die Satire muss übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird."

Genau das ist die Mission, für die ich der Partei meine Stimme geben werde. Übertreiben, ungerecht sein, provozieren. Dafür wähle ich diesmal Spaßpartei.

Ganz im Ernst.

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