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Europawahl SPD wählt Barley mit 99 Prozent zur Spitzenkandidatin

Katarina Barley (SPD) Quelle: dpa

Während Parteichefin Nahles angezählt wirkt, ist Justizministerin Barley derzeit eine der wenigen Hoffnungsträgerinnen der SPD. Doch ihre Europawahl-Mission könnte auch zum Karriereknick führen.

Die SPD hat derzeit wenig zu lachen, aber wer immer ein fröhliches Gemüt zeigt, ist Katarina Barley. Als die Justizministerin vor ein paar Wochen 50 wurde, gab es in den sozialen Medien ein tausendfaches „Happy Katarina“ mit vielen Herzchen. Die fliegen ihr zu, auch weil es sonst wenig begeisterndes Personal gibt.

Sie hat sich scherzhaft mal als „Allzweckwaffe der SPD“ bezeichnet. Und ihr Werdegang in der Bundespolitik in den vergangenen fünf Jahren gibt ihr durchaus Recht: Bundestagsabgeordnete, dann die Berufung zur SPD-Generalsekretärin - die für sie härteste Schule, da sie sich in alle Themenfelder einarbeiten und zu allem etwas sagen musste. Dann wurde sie Familienministerin und wegen der langen Regierungsbildung auch geschäftsführende Arbeitsministerin.

In der neuen großen Koalition galt sie zunächst als Kandidatin für die erste weibliche Besetzung des Außenamts, schließlich wurde die Juristin mit Erfahrungen am Bundesverfassungsgericht Justizministerin. Sie wehrte sich lange dagegen, in eine wenig aussichtsreiche Europa-Mission zu gehen - denn als Spitzenkandidatin für die Europawahl am 26. Mai wird sie ihr Ministeramt im Frühjahr abgeben und nach Brüssel wechseln. Am Sonntag wurde sie bei einem kleinen Parteitag in Berlin von den knapp 200 Delegierten mit 99 Prozent zur deutschen Spitzenkandidatin gewählt. Sie will vor allem Europa als großes Positivprojekt herausstreichen und für mehr soziale Absicherung kämpfen, um Europafeinden die Stirn zu bieten.

Vielleicht reicht es aber nur zu einem Posten im Europaparlament. Zumal sie „nur“ nationale Spitzenkandidatin ist, der gemeinsame Kandidat der europäischen Sozialdemokraten ist der Niederländer Frans Timmermans, aktuell Vizechef der EU-Kommission. Barleys Messlatte liegt hoch, Martin Schulz holte 2014 als nationaler und europäischer Spitzenkandidat immerhin 27,3 Prozent.
Europäerin ist sie durch und durch. Geboren wurde sie in Köln („Ich war im Karneval schon Engel, Teufel und Freiheitsstatue“), die Mutter ist Deutsche, der Vater Brite, studiert hat sie in Paris. In den 1990er Jahren siedelte sie nach Trier über. In ihrer Heimat lebt man ein offenes Europa. „Hier kann man an einem Tag mit dem Fahrrad durch vier Länder fahren“, sagt Barley. Wenn es die knappe Zeit erlaubt, fährt sie mit ihrem alten Karmann-Ghia Cabrio durch die Weinberge.

Mit Blick auf Nationalisten, die den EU-Einigungsprozess in Frage stellen, geht es für sie um alles: „Diese Wahl ist eine Schicksalswahl.“ Das gilt irgendwie auch für die SPD.

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