Eurostat Arbeitslosigkeit in Euro-Zone bleibt auf Rekordhoch

Im November war mehr als jeder Zehnte in den Ländern mit der Eurowährung arbeitslos. Der Arbeitslosenanteil ist damit zwar seit bald einem Dreivierteljahr nicht mehr geklettert. Doch Besserung ist auch noch nicht in Sicht.

Ist Europa noch zu retten?
Europa-Assoziationen im TrendIst Europa noch zu retten? Und vor allem: von wem? Was die Bundesbürger dazu meinen, präsentierte Ulrike Ackermann am Donnerstagabend in Berlin auf der Europa-Konferenz, eine Veranstaltung des von Ackermann geleiteten John Stuart Mill Instituts für Freiheitsforschung an der SRH Hochschule Heidelberg in Kooperation mit der Wirtschaftswoche. Auffallend dabei: insgesamt sind Assoziationen  der Bundesbürger zu Europa relativ stabil – doch zwei für die Europäische Union ganz wesentliche Verbindungen, Zukunft und Einheit, kommen den Bundesbürgern seit 2009 immer weniger in den Sinn.
Angenommene Folgen der Europäischen EinigungWas haben die Bürger ganz konkret von der Europäischen Einigung – keine unwichtige Frage für die Akzeptanz der europäischen Idee – vor allem dann, wenn in der öffentlichen Diskussion in Deutschland nicht nur von den unbestreitbaren Vorteilen des Binnenmarkts die Rede ist, sondern auch von erheblichen finanziellen Risiken zugunsten der europäischen Krisenländer. An Freiheit und Sicherheit denken die Bundesbürger in Verbindung zu Europa noch relativ oft ­ an Wohlstand und Gerechtigkeit dagegen überwiegend weniger.
Das Vertrauen in die Europäische Union2002 wurde das Euro-Bargeld eingeführt, als Symbol einer angeblichen unumkehrbaren Integration der teilnehmenden Länder. Doch auf das Vertrauen der Bundesbürger in die Europäische Union insgesamt hat sich dies nicht förderlich ausgewirkt – im Gegenteil: Das Misstrauen der Bundesbürger in die Europäische Union steigt stabil und erreicht 2011, auf dem Höhepunkt der Euro-Krise, seinen Höhepunkt. Seitdem hat sich die Lage nur leicht entspannt.
Vertrauen in die EU, die EU-Kommission und das Europäische ParlamentSieht man genauer hin, schneidet die Europäische Kommission, die Hüterin der europäischen Verträge, besonders schlecht ab, wenn es um das Vertrauen der Bundesbürger geht. Offenkundig gelingt es den mittlerweile 28 Kommissaren immer weniger, die Bürger vom Vorteil ihrer Existenz zu überzeugen. Möglicherweise auch deshalb, weil die Kommission von den Bürgern inzwischen vor allem als Quelle immer neuer Regulierungen und Einschränkungen wahrgenommen wird. Dem Europäischen Parlament geht es da nur leicht besser. Das, was es sein will – eine europäische Volksvertretung – ist es in den Augen der Bürger noch lange nicht.
Bundesstaat oder Staatenbund?Was soll aus Europa einmal werden? Die Meinung der Bundesbürger ist da ziemlich eindeutig: 68 Prozent plädieren für ein Bündnis einzelner Staaten, nur 18 Prozent teilen die Vision eines künftigen Staatenbunds. Die Idee einer echten europäischen Regierung, kontrolliert von einem wirklich souveränen Europäischen Parlament mit umfassender Gesetzgebungskompetenz, legitimiert durch Wahlen eines europäischen Volkes – die stößt nicht nur auf vehemente Ablehnung bei den Regierungen der Nationalstaaten, sie wird auch von der überwiegenden Mehrheit der Deutschen nicht geteilt.
Unbehagen am Tempo seit der Deutschen EinheitMit der Deutschen Einheit fiel auch Starschuss zur Errichtung der Wirtschafts- und Währungsunion, nur wenige Jahre später begann der Prozess der Osterweiterung – der noch lange nicht abgeschlossen ist. Die schnelle Expansion ging aus Sicht der Deutschen vor allem zu Lasten der Integration. Der Meinungsumschwung, ab 1989 ist bemerkenswert deutlich – noch immer plädieren weitaus mehr Bundesbürger für eine langsamere Gangart bei der Entwicklung zu einem vereinigten Europa.
Zusammengehörigkeitsgefühl mit anderen VölkernAngesichts des vorherrschenden Misstrauens in die Europäische Union ist es schon eine erstaunliche Ambivalenz: Vor allem nördlich der Alpen fühlen sich die Deutschen mit den Bürgern ihrer Nachbarländern stark verbunden. Das muss nicht unbedingt ein Widerspruch sein. Ulrike Ackermann, die Chefin des John Stuart Mill Instituts für Freiheitsforschung, bringt es auf den Punkt: „Die Bürger sind mit der europäischen Politik nicht einverstanden. Aber sie wollen Europa.“

Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone bleibt auf Rekordniveau: 12,1 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter waren im November ohne Job. Das meldete die EU-Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg am Mittwoch. Insgesamt waren 19,2 Millionen Männer und Frauen in den damals noch 17 Ländern mit der Eurowährung arbeitslos. Besonders schwierig ist die Lage weiter in Südeuropa. Die höchsten Arbeitslosenquoten wiesen Griechenland mit 27,4 Prozent (nach jüngsten Zahlen vom September) und Spanien mit 26,7 Prozent auf. Mehr als die Hälfte der jungen Menschen hat dort keinen Job.

In der Europäischen Union waren im November 26,6 Millionen Menschen arbeitslos, das entspricht 10,9 Prozent. Österreich hat mit 4,8 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote, Deutschland folgt mit 5,2 Prozent auf Platz zwei. Die Rechenmethoden von Eurostat und der Bundesagentur für Arbeit unterscheiden sich - letztere hatte die Quote am Vortag für Deutschland - allerdings für Dezember - mit 6,7 Prozent beziffert.

Die Arbeitslosenquote der Euroländer ist den Angaben zufolge seit April 2013 unverändert. Die Statistiker waren ursprünglich davon ausgegangen, dass die Arbeitslosenquote im Oktober zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren gesunken war, korrigierten nun aber frühere Angaben. Denn Eurostat hatte für September einen Rekordwert von 12,2 Prozent gemeldet, diesen aber nun mit der aktuellen Meldung nach unten revidiert.

Einen rasanten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Verlauf eines Jahres meldete Zypern (von 13,3 auf 17,3 Prozent). Auch in Italien, Griechenland und den Niederlanden kletterten die Quoten innerhalb von zwölf Monaten um mehr als einen Prozentpunkt. Deutlich verbessert hat sich die Lage hingegen in Irland (von 14,3 auf 2,3 Prozent), Lettland und Litauen.

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Ein großes Problem bleibt die Jugendarbeitslosigkeit. Fast jeder Vierte zwischen 15 und 24 Jahren (24,2 Prozent) war im November in der Eurozone ohne Job. Das sind 3,575 Millionen Menschen. In allen 28 EU-Staaten waren 23,6 Prozent der jungen Menschen und damit mehr als 5,66 Millionen arbeitslos.

In Spanien und Griechenland (im September) lag die Quote bei über 50 Prozent. Dies liegt zumindest teilweise an den Rechenmethoden der Statistiker: Sie berücksichtigen Studenten und Auszubildende nicht. Dies verkleinert die Bezugsgruppe und treibt die Quote weiter nach oben.

EU-Arbeitskommissar Laszlo Andor drängte angesichts der neuen Zahlen auf politische Reformen und aktive Wirtschaftspolitik. Um die Trendwende zu schaffen, seien „nicht nur wachstumsfreundliche Haushalts- und Geldpolitik und strukturelle Reformen“ nötig, sondern auch ein stärkeres Zusammenwachsen der Länder des Euroraums.

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