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Ex-Chefvolkswirt Jürgen Stark wettert gegen die EZB

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"Nicht Aufgabe der Zentralbank"

Peter Praet Quelle: dpa

Die EZB hat seit Mai 2010 Staatsanleihen im Gesamtwert von mehr als 211 Milliarden Euro aufgekauft. Das Verfahren ist allgemein umstritten.

EZB-Chef Mario Draghi betonte bereits mehrmals, dass die Aufkäufe weder "ewig noch unbegrenzt" laufen würden, aber derzeit erfolgreich seien.

Stark vertritt eine deutlich kritischere Position: "Damit wurden allenfalls temporär die Märkte beruhigt und die Anleihezinsen für Staaten gesenkt. Letzteres kann aber nicht Aufgabe der Zentralbank sein", sagte er im Interview.

Auch beim Thema der Fiskalunion bezog der ehemalige EZB-Chefvolkswirt klar Stellung: Um Europa zu stärken, müssten europäischen Mitgliedsstaaten ein Stück Souveränität abgeben, damit man gemeinsam erfolgreich sein könne.

Es sei illusorisch zu glauben, eine Fiskalunion funktioniere ohne mindestens einen Teil der eigenen Souveränität dafür abzugeben, sagte Stark bei einem Vortrag in New York zum Jahresende.

Eine Institution mit unabhängiger Meinung ist nötig

„Wir brauchen – formell oder informell - eine unabhängige Institution, die das Recht hat, in die Entscheidungsfindungsprozesse der Nationalstaaten einzugreifen.

Eine Institution, die sich unabhängig eine Meinung bilden kann, was gut ist für die EU“, forderte der Ökonom.
Bisher ist öffentlich nichts über Jürgen Starks weitere berufliche Pläne bekannt. Nachdem der Posten des Chefvolkswirts der EZB bislang immer mit deutschen Fachleuten besetzte war, ist Stark vorerst der letzte deutsche Vertreter in diesem Amt.

Sein Nachfolger ist der Belgier Peter Praet. Der 62-jährige Währungsfachmann war zuletzt Chefökonom der Fortis Bank und Direktor der belgischen Nationalbank.

Mit seiner Wahl sollte ein deutsch-französischer Konflikt vermieden werden, da beide Länder einen potenziellen Kandidaten ins Rennen geschickt hatten. Der deutsche Wunschkandidat Jörg Asmussen wurde stattdessen Außenhandels-Direktor der EZB.

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