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EZB Schwerer Job für Asmussen

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Bonner Netzwerk

 Jörg Asmussen und Jens Weidmann. Quelle: dpa

Freunde und Gegner

Die Mitte seines weit gespannten Netzwerks bildet eine alte Bonn-Connection: Bei Axel Weber, dem designierten Verwaltungsratschef der UBS, hörte Asmussen als Student an der Universität Bonn Vorlesungen. Als 2004 der damalige Finanzminister Hans Eichel (SPD) rasch Ersatz für den gescheiterten Bundesbank-Präsidenten Ernst Welteke brauchte, brachte Asmussen seinen Professor ins Spiel.

Aus Bonner Zeiten kennt er auch Jens Weidmann, bis April Wirtschaftsberater von Kanzlerin Angela Merkel und dann von ihr zum Nachfolger von Weber bei der Deutschen Bundesbank ernannt. Im Finanzministerium lernte Asmussen in den Neunzigerjahren Klaus Regling kennen, der heute den Euro-Rettungsfonds EFSF leitet.

Gegner hat der Mann mit dem SPD-Parteibuch am ehesten in der Union. Doch seit Schäuble dort regiert, sind auch die Kritiker weniger geworden.

Stärken und Schwächen

Während seines MBA-Studiums an der Mailänder Eliteuniversität Luigi Bocconi unterzog er sich einem Persönlichkeitstest. Das Ergebnis: Zu 100 Prozent am Ziel orientiert, aber zu 0 Prozent am Prozess. Sein Fachwissen ist unbestritten.

Im Finanzministerium galt er als einer der Wenigen, die das Treiben auf den hochgerüsteten Finanzmärkten mit Credit Default Swaps und Special Purpose Vehicles einigermaßen durchschauten.

Umstritten war hingegen sein Agieren in der Krise um die Hypo Real Estate Bank (HRE), als er etwa in der Krisennacht vom 28. auf den 29. September 2008 allein gegen Dutzende Banker antrat. Seine „One-Man-Show“, kritisierte der FDP-Finanzpolitiker Volker Wissing damals, sei „erschreckend“ gewesen.

Visionen

Als „dienender Beamter“, wie sich der Staatssekretär gern selbst bezeichnete, darf man eigentlich keine Visionen haben. Zuvor, als Abteilungsleiter, ließ er sich 2006 zu einer Eloge über Asset Backed Securities (ABS) hinreißen. Deren besonderer Vorteil wäre, schrieb er in einem Fachbeitrag, dass die Eigenkapitalanforderungen an ABS-Bestände gering seien, und das Bundesfinanzministerium wollte darauf achten, dass den Banken „keine unnötigen Prüf- und Dokumentationspflichten entstehen“.

Dann kam die Finanzmarktkrise, zu deren Hauptauslösern die ABS zählten. Seither arbeitete er für seine Minister daran, die Finanzmärkte zu bändigen und deutsche Stabilitätswerte Europa einzupflanzen.

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