WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

EZB Brandbeschleuniger der Euro-Krise

Mit ihrem fragwürdigen Griechenland-Deal hat sich die EZB in eine Lage manövriert, in der sie künftig nicht weniger, sondern noch viel mehr Staatsanleihen kaufen muss, um die Zinsen zu drücken.

SOS-Zeichen an einer Notrufsäule vor dem Euro-Zeichen vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main Quelle: dpa

Griechenland ist mit 368 Milliarden Euro oder 171 Prozent seiner für 2011 um fast sieben Prozent geschrumpften Wirtschaftsleistung verschuldet. Ein Schuldenerlass von 53,5 Prozent würde diese Quote theoretisch in etwa auf die Höhe Deutschlands drücken – wenn alle Gläubiger mitmachten. Doch das passiert nicht.

Kurz vor knapp zog die Europäische Zentralbank (EZB) mit der griechischen Regierung einen ziemlich fragwürdigen Deal durch. Die EZB tauschte die von ihr gehaltenen griechischen Staatsanleihen um in Papiere mit neuer Wertpapierkennnummer. Sie enthalten eine Zusatzklausel, die sie von einer Beteiligung an einer Umschuldung Griechenlands ausschließen.

Der Trick sei notwendig gewesen, verteidigt sich die EZB, weil ein Forderungsverzicht einer verbotenen Staatsfinanzierung mit der Notenpresse gleichkäme. Dabei finanziert die EZB längst Staaten: Über ihr Securities Markets Programme (SMP) kaufte sie seit Mai 2010 für 220 Milliarden Euro Anleihen von Euro-Staaten, die ihre Schulden am Kapitalmarkt nicht mehr problemlos refinanzieren konnten, darunter Griechenbonds im Nominalwert von schätzungsweise 50 Milliarden Euro.

Abschreibungen auf diese Bestände bedrohten vielmehr die Solvenz der EZB. Eine möglicherweise notwendige Kapitalerhöhung wäre aber sofort haushaltswirksam für den Bundeshaushalt und die Haushalte anderer Euro-Mitgliedsstaaten.

Private Gläubiger Griechenlands dagegen sollen auf 107 Milliarden Euro ihrer Gesamtforderungen von 200 Milliarden Euro verzichten und den Rest tauschen in Anleihen des Rettungsfonds EFSF (30 Milliarden Euro) und in neue griechische Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit und einem durchschnittlichen Kupon von 3,65 Prozent (63 Milliarden Euro). Unter dem Strich steht für sie ein Verlust von fast 75 Prozent. 

Das neue Rettungspaket für Griechenland

Rechnungen sind zu optimistisch

Zusammen mit den von der EZB angekauften Staatsanleihen liegen also 168 Milliarden Euro der Staatsschuld Griechenlands bei öffentlichen Gläubigern, die nicht betroffen sind vom Schuldenschnitt. Somit beträgt der Schuldenerlass für Griechenland tatsächlich nur 29 Prozent. Das bringt das Land gewiss nicht auf die Beine, zumal selbst diese Rechnung noch zu optimistisch ist.

Denn zu den privaten Gläubigern gehören auch griechische Banken, die Anleihen im Nennwert von 48 Milliarden Euro halten. Weil das griechische Bankensystem rekapitalisiert werden muss, entstehen also sofort neue Schulden. Denn als Kapitalgeber käme logischerweise nur der Rettungsfonds EFSF in Frage. Griechischen Pensions- und Rentenkassen gingen übrigens sofort 16 Milliarden Euro ihrer Gesamtforderungen von etwa 30 Milliarden Euro flöten.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%