EZB Davos-Teilnehmer feiern den EZB-Entscheid

Die internationale Elite aus Politik und Wirtschaft ist sich nahezu einig: Das Bekenntnis der EZB, im großen Stil Staatsanleihen aufzukaufen, ist richtig und wichtig. Aber: Die Euro-Krise sei damit nicht gelöst.

Mario Draghi Quelle: dpa

Erleichterung, Zufriedenheit und große Hoffnungen: Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), für 60 Milliarden Euro monatlich Staatsanleihen zu kaufen, wurde beim 45. Weltwirtschaftsforum in Davos nahezu einhellig begrüßt.

„Wir sind alle für QE in Europa“, behauptete Larry Summers, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Harvard. Die drohende Deflation in Europa sei eine der „größten Gefahren unserer Zeit“. Es sei richtig, dass die Notenbank dem entgegenwirke.

Auch Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, sieht in dem Eingreifen der EZB auf den Märkten „einen Fortschritt“ der noch jungen Währungsunion. In der vergangenen fünf Jahren habe sich viel getan, nun müsse die Bankenunion und die Fiskalunion in Europa verwirklich werden.

Wie Mario Draghi die Märkte mit Geld fluten kann

„Die USA haben QE gemacht, Großbritannien und Japan ebenfalls. Es ist nur folgerichtig, dass nun auch Europa folgt“, sagt Nariman Behravesh, Chefökonom des US-amerikanischen Wirtschaftsforschungsinstituts IHS im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. Überall habe es geholfen; auch in Europa werde der Ankauf von Staatsanleihen für Wachstum sorgen. „Zusammen mit dem niedrigen Ölpreis und dem schwachen Euro kann die Euro-Zone in diesem Jahr um 1,4 Prozent wachsen.“

Gleichwohl warnte Behravesh, die Nationalstaaten dürften sich nicht alleine auf die EZB verlassen. Es sei dringend nötig, dass die Regierungen Reformen entschlossener denn je umsetzen. „Ich verstehe die Sorgen der Deutschen, dass die Reformbereitschaft durch QE nachlässt. Dem aber kann mit politischen Druck entgegengewirkt werden.“

Die EZB könne aus Sorge vor Reformmüdigkeit jedenfalls nicht tatenlos bleiben. „Wir haben eine negative Preisentwicklung in einigen Ländern in Südeuropa. Die EZB kann nicht zulassen, dass dieser Trend weitergeht“, argumentiert Behravesh ähnlich wie schon Larry Summers.

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Ana Botin, Aufsichtsratsvorsitzende der Banco Santander, verwies darauf, dass Südeuropa sehr wohl Reformen umgesetzt habe – und man bei der Kritik nicht verallgemeinern dürfe. „Spanien hat an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Wir machen Fortschritte.“ Die Autobauer in Spanien seien inzwischen produktiver als die deutschen Konkurrenten.

Auch deutsche Konzernchefs zeigten sich verhaltend optimistisch. Anshu Jain, Co-Chef der Deutschen Bank etwa, erwartet „mehr Sicherheit“ für die europäischen Banken durch die EZB-Politik. Denn: Es werde weniger Insolvenzen geben, die Geldhäuser müssten weniger Geld für vom Ausfall bedrohte Kredite zurücklegen.

Gleichzeitig führe die Geldpolitik der Notenbank dazu, dass die Zinsen im Euro-Raum auf lange Zeit niedrig bleiben werden. Darunter würden auch die Banken leiden. „Das ist eine große Herausforderung für uns.“

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