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EZB Draghi bringt die Bazooka in Stellung

Der aktuelle EZB-Monatsbericht offenbart den Schrecken der Krise: Hohe Risikoprämien und eine steigende Bargeldnachfrage treiben Zentralbank-Chef Draghi in die Enge. Er plant den Gegenschlag.

Entwicklung der Staatanleihen in der Schuldenkrise
Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe seit Januar 2010 Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen USA Quelle: Bloomberg
Staatsanleihen Griechenland Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Portugal Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Irland Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Italien Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Spanien Quelle: Bloomberg

"Die Kurse der Staatsanleihen einiger Länder enthalten außergewöhnlich hohe Risikoprämien, und die Wirksamkeit der Geldpolitik wird durch die Fragmentierung der Finanzmärkte beeinträchtigt", hieß es am Donnerstag im Monatsbericht der Europäischen Zentralbank (EZB). Risikoprämien, die auf ein Auseinanderbrechen der Eurozone abzielten, seien nicht akzeptabel. Es müsse ihnen „grundlegend begegnet werden“. Der Euro sei "irreversibel". Der Monatsbericht wiederholt damit Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi vom vergangenen Donnerstag.

Die Offenmarktgeschäfte sollten in einer Größenordnung erfolgen, die dem Erreichung des Ziels angemessen sei. Die Notenbank stellt jedoch Bedingungen: Notwendige Voraussetzungen seien, dass die Regierungen ihre Verpflichtungen einhalten und die Rettungsfonds EFSF und ESM "ihre Aufgaben erfüllen." Draghi hatte am Donnerstag von Anleihenkäufe am kurzen Laufzeitenende gesprochen. Der EZB-Rat könne zudem weitere geldpolitische Sondermaßnahmen in Erwägung ziehen.

Der Instrumentenkasten der EZB

Inflationsgefahren sieht die EZB nicht. Die Inflationsrate sollte im Jahresverlauf 2012 weiter zurückgehen und 2013 unter der Marke von zwei Prozent liegen. Das Wachstum der Geldmenge M3, ein Frühindikator für die Inflation, ist bisher stabil. Das ist allerdings vor allem auf das schwache konjunkturelle Umfeld und die damit verbundene, niedrige Kreditnachfrage zurückzuführen.

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Getrieben wird das Geldmengenwachstum vor allem durch die kräftige Bargeldnachfrage im Euro-Raum. Im Juni stieg diese gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,5 Prozent. Anfang des Jahres lagen die Wachstumsraten sogar teilweise über sechs Prozent. Grund dafür ist ebenfalls die Angst, dass der Euro auseinanderbrechen könnte: Die Menschen halten ihr Vermögen lieber bar und bringen es ins Ausland.

Die Kapitalflucht spiegelt sich auch in den steigenden Target-Salden nieder. So müssen sich viele südländische Banken noch mehr Geld bei den Zentralbanken des Euro-Systems leihen. Die Forderungen der Deutschen Bundesbank stiegen zuletzt auf 728 Milliarden Euro.

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