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EZB Draghis gefährliche Fusionsblase

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Geheimniskrämerei der EZB hat ein Ende

Seit Anfang der Woche hat die Geheimniskrämerei ein Ende. Nun können Interessierte erfahren, um welche Papiere es sich in der Bilanz der EZB handelt. Auf Druck von 40 Abgeordneten aus dem EU-Parlament, die sich über die mangelnde Transparenz beschwert hatten, listen die Notenbanker nun die Käufe im Detail auf ihrer Homepage auf.

Mehr als 950 Wertpapiere umfasst die Liste, darunter Bonds großer Konzerne wie Daimler, Telefonica und Shell. Mit den Käufen drückt die EZB die Finanzierungskosten für die Konzerne nach unten. Kleinere Unternehmen aber, die keinen Zugang zum Kapitalmarkt haben, bleiben außen vor. Faktisch betreibt die EZB auf diese Weise Industriepolitik zugunsten von Großkonzernen – ohne dass sie dafür ein Mandat besäße. Die niedrigen Kreditkosten fördern die Aufnahme von Fremdkapital und treiben die Unternehmen in eine gefährliche Schuldenspirale.

Zudem heizen die niedrigen Kosten für Fremdkapital die Fusionswelle in Europa an. Die Billigkonditionen für Kredite lassen Zusammenschlüsse rentabel erscheinen, die es bei genauer Betrachtung nicht sind. Das führt zu Fehlinvestitionen, fördert die Konzentration von Macht und diskreditiert die Marktwirtschaft.

Im Einkaufskorb der EZB befinden sich unter anderem die Anleihen des Leverkusener Pharmakonzerns Bayer. Das Unternehmen ist gerade dabei, den US-Saatguthersteller Monsanto zu übernehmen. Den Bayer-Managern dürfte das Niedrigzinsumfeld made in Frankfurt daher äußerst gelegen kommen.

Anheuser finanzierte Großteil durch Anleihen

Ebenfalls in der EZB-Bilanz befinden sich Papiere des belgischen Getränkekonzerns Anheuser-Busch Inbev, der seinen britischen Konkurrenten SAB Miller im vergangenen Jahr für rund 94 Milliarden Euro übernommen hat. Einen Großteil des Kaufpreises finanzierte Anheuser durch die Ausgabe von Anleihen. Dass die Mega-Transaktion auch ohne die Billig-Geldpolitik der EZB zustande gekommen wäre, ist unwahrscheinlich.

Politisch besonders brisant ist, dass die EZB Anleihen der Autobahnbetreiber Atlantia (Italien) und Abertis (Spanien) gekauft hat. Atlantia hat vor wenigen Wochen ein Übernahmeangebot für Abertis abgegeben. Den 16-Milliarden-Euro-teuren Kauf will Atlantia vorwiegend mit Fremdkapital finanzieren.

Gelingt die Übernahme, erhielte Atlantia, dessen Großaktionär die Familie Benetton ist, den Zugang zu den mautfinanzierten Autobahnen in Frankreich, wo Abertis ein Drittel seiner Erlöse erzielt. Atlantia stiege damit zum größten Verkehrs-Infrastrukturanbieter der Welt auf. Bedanken kann sich das Management des in Rom ansässigen Unternehmens dafür bei seinem Landsmann Draghi – wenn dieser mal wieder in seiner Heimatstadt Rom weilt.

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