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EZB-Programm Banken greifen sich 500 Milliarden Euro

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Transfer von Steuergeld Richtung Finanzsektor

Die EZB kämpft gegen die Banken- und Schuldenrkrise Quelle: dpa

Nicht alle Experten halten den „Carry Trade“ für sinnvoll: Sollten Banken in großem Stil bei Staatsanleihen von Krisenländern zugreifen, würden nämlich genau die Abhängigkeiten verstärkt, die sich im bisherigen Krisenverlauf als Sollbruchstelle entpuppten. Pimco-Manager Bill Gross, der den weltgrößten Anleihefonds verwaltet, spricht von einem „Hütchenspiel“. Auch für den US-Ökonom Tyler Cowen sind solche Geschäfte nichts weiter als ein verkappter Transfer von Steuergeld Richtung Finanzsektor. Offiziell ist eine zweckgebundene Verwendung selbstverständlich nicht vorgesehen. EZB-Präsident Mario Draghi betonte dementsprechend, Banken entschieden selbst, was sie mit den frischen Mitteln machen. Eine Erwartung sei, dass sie mit dem Geld die Realwirtschaft finanzierten, sagte Draghi der „Financial Times“.

Investoren fehlt Planungssicherheit

Ob die Banken bei dem Spiel wirklich mitmachen, ist auch noch nicht ausgemacht. Zumindest das seit dem griechischen Schuldenschnitt stark belastete Vertrauensverhältnis zwischen privaten Gläubigern und öffentlichen Schuldnern spricht dagegen, dass Banken sich wieder stärker engagieren. Zwar hatte EU-Ratschef Herman Van Rompuy auf dem letzten Gipfel betont, die private Gläubigerbeteiligung werde auf dem eingeschlagenen Weg nicht weiter verfolgt und Griechenland bleibe eine absolute Ausnahme. Dennoch blieben viele Details zur künftigen Handhabe bei Zahlungsausfällen unklar, so dass Investoren weiter die Planungssicherheit fehlt.

Draghi: Schwieriges Jahr 2012 für Banken
Zuvor hatte EZB-Chef Mario Draghi schon ein düsteres Bild für das Jahr 2012 gezeichnet: Im Sog der Schuldenkrise werden die Banken im Euroraum nach seiner Ansicht in schwieriges Fahrwasser geraten. „Besonders im ersten Quartal wird es bei der Refinanzierung eng werden“, warnte Draghi vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments. Die wirtschaftliche Erholung im kommenden Jahr werde allenfalls „sehr schrittweise“ vorankommen. Die Stabilität des Finanzsystems der europäischen Währungsunion ist nach Einschätzung der EZB insgesamt in Gefahr. Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs von Großbanken sei zuletzt gestiegen, heißt es im halbjährlichen EZB-Report zur Finanzstabilität. „Die Risiken für die Finanzstabilität der Euro-Zone haben in der zweiten Jahreshälfte 2011 beträchtlich zugenommen.“

Die zweite Runde für die Kreditmittel ist für den 29. Februar 2012 geplant. Die Banken können die Kredite auch nach einem Jahr wieder zurückzahlen.

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