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EZB-Ratsmitglied Christian Noyer "Frankreich könnte viel aggressiver sparen"

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"EZB und das Euro-System dürfen nicht zu komplex werden"

Wie lange gibt sich die EZB für diese Prüfung Zeit?

Wir müssen die Reaktion der Finanzmärkte genau beobachten – also, wie entwickelt sich die Kreditvergabe, welche Wirkung haben die neuen Zinssätze im Markt. Ein endgültiges Ergebnis lässt sich in etwa 18 Monaten erkennen. Zwischenergebnisse werden wir sicherlich schon eher haben.

Warum stoßen die neuen Langfristkredite (TLTROs) der EZB bei den Banken bislang nur auf geringes Interesse?

Die Banken sind momentan sehr beschäftigt mit der Bilanzprüfung und dem Stresstest. Sicherlich warten einige Institute erst einmal ab, wo sie genau stehen bei diesem Check, den die EZB bei den wichtigsten europäischen Banken gerade durchführt. Erst danach legen sie ihre Kreditstrategie für die nächsten Monate fest. Das Geschäft von September ist ja das erste der neuen Kreditlinie, ein zweites folgt im Dezember. Wir sollten also zunächst abwarten, bevor wir eine Bewertung dieser neuen Refinanzierungsgeschäfte vornehmen.

Was meinen Sie: Wie viele europäische Banken werden den Stresstest der EZB nicht bestehen?

Viele Marktteilnehmer erwarten, dass die Bilanzprüfung und der Stresstest schwerwiegende Probleme bei einzelnen Banken offenlegen. Das halte ich für übertrieben. Denn seit der Finanzkrise ist viel geschehen. Die Regulierung der Institute ist in den vergangenen Jahren verschärft worden, viele Banken wurden rekapitalisiert oder haben selbst neues Kapital am Markt aufgenommen. Die Banken haben ihre Bilanzen aufgeräumt – und sich von Altlasten getrennt.

Welche Sorge treibt Sie als Notenbanker persönlich um?

Entscheidungen im Euro-System müssen sicherlich gemeinsam getroffen werden. Allerdings dürfen die EZB und das Euro-System nicht zu komplex werden. Ich befürchte allerdings, wenn wir immer mehr Länder in das Euro-System aufnehmen, wird der Entscheidungsprozess immer schwieriger. Dann besteht die Gefahr einer Zentralisierung. Wir müssen effizient bleiben und berücksichtigen, dass einige Länder im Euro-System besonders wichtig sind.

In Arbeit
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Mit dem Beitritt Litauens zur Euro-Zone wird die Deutsche Bundesbank alle fünf Monate kein Stimmrecht mehr haben. Finden Sie es richtig, dass die Stimmrechte im EZB-Rat rotieren?

Fällt die EZB eine geldpolitische Entscheidung, ist davon vor allem Deutschland betroffen, weil es 30 Prozent der Wirtschaft in der Euro-Zone stellt. Frankreich wird immer mit einem Fünftel betroffen sein. Das muss jeder Notenbanker bei einer geldpolitischen Entscheidung berücksichtigen. Als die Regeln für die Rotation der Abstimmungsrechte festgelegt worden sind, hätte man über andere Formen nachdenken müssen. Umso wichtiger ist, dass die Stimmen der großen Länder im Euro-Raum in der geldpolitischen Diskussion weiter besonders gehört werden.

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