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EZB-Ratssitzung So redet Mario Draghi seine Anleihekäufe schön

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Zuversicht verdeckt die Risiken

Doch Draghi wäre nicht Mister Zuversicht, wenn er derartige Argumente nicht wegwischen würde. Solche Befürchtungen hätte es bei der quantitativen Lockerung (QE) der US-Notenbank Fed auch gegeben. Zudem, so erklärte Draghi, würde rund die Hälfte der Euro-Anleihen außerhalb der Euro-Zone gehalten. Offenbar will Draghi im Zweifel eben dort auf Einkaufstour gehen. Zumindest lässt er keinen Zweifel daran, dass die EZB ihr angestrebtes Kaufvolumen erfüllen wird. „Die ersten Käufe der EZB dürften Signalwirkung haben“, sagt Schubert. In den ersten Monaten werde die Notenbank vermutlich sehr große Anstrengungen unternehmen, um die eigenen Ziele hinsichtlich des Volumens der Anleihekäufe zu erreichen, so der Analyst.

Der Kampf der EZB gegen die Krise

Mit besonderer Spannung hatten Beobachter auf die Inflationsprognosen der EZB gewartet. Mario Draghis Ökonomen mussten nicht nur die Vorhersagen für 2015 und 2016 erneuern, erstmals präsentierten sie den Märkten einen Ausblick auf 2017.

Wie erwartet senkten die EZB-Volkswirte die Prognose für das laufende Jahr. Mittlerweile rechnen sie 2015 nur mit einer Inflationsrate von null Prozent. Zur Erinnerung: im Februar lag die Teuerungsrate in der Euro-Zone bei minus 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach minus 0,6 Prozent im Januar. Grund für die Korrektur der Vorhersage ist vor allem der niedrige Ölpreis, der in der vorangegangenen Prognose im Dezember noch nicht ausreichend in den Prognosemodellen berücksichtigt wurde.

Zahlenoptimismus

Entscheidender Indikator für die Zuversicht Draghis sollte aber die Prognose für 2017 sein. Hier erwarten die EZB-Volkswirte ein Inflationsrate von 1,8 Prozent. Dieser Wert liegt bereits relativ dicht an der von der EZB angestrebten Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent - mit diesem Zielwert definiert die Notenbank stabile Preise. Wichtig ist die Vorhersage perspektivisch. Denn das Anleihekaufprogramm soll vorerst mindestens bis September 2016 laufen. Je niedriger die Inflationsprognose für 2017 ausgefallen wäre, desto höher wäre laut Beobachtern die Wahrscheinlichkeit gewesen, dass die EZB schon jetzt davon ausgeht, das Kaufprogramm auch über 2016 hinaus fortzusetzen. Zudem gilt: wäre die Prognose niedriger ausgefallen, hätten die Notenbanker die Wirkung ihrer eigenen Geldpolitik in Frage gestellt.

Nun haben sie sich also einen gewissen Puffer geschaffen, um die Inflationsaussichten für 2017 wenn nötig nach unten zu korrigieren. Ungewöhnlich wäre das nicht, auch der Wert für 2016 wurde bereits in zwei kleinen Schritten nach unten revidiert. Aus diesen Gründen hatten Beobachter mit einer Projektion für 2017 jenseits der 1,5 Prozent-Marke gerechnet. So bleiben die Währungshüter flexibel. Die Experten der DekaBank erwarten, dass die EZB eine Entscheidung über die Verlängerung des Kaufprogramms erst im Verlauf des kommenden Jahres treffen will.

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Auch die Prognosen für das Wirtschaftswachstum zeugen von viel Hoffnung. Für das laufende Jahr hat die Notenbank die Vorhersagen von 1,0 auf 1,5 Prozent angehoben. "Draghi wirkt entschlossen und recht zufrieden. Er zeigt sich zuversichtlich, dass QE funktioniert und sich das Wachstum festigen wird", sagt Holger Sandte, Analyst bei Nordea. Zwar seien die neuen Projektionen möglicherweise etwas hoch gegriffen, aber in der Tendenz nicht falsch.

Das alles klingt, als habe Mario Draghi alle Zweifel zerstreuen können. Tatsächlich aber nicht ganz, denn einige Risiken kamen schlicht nicht zur Sprache. In Draghis Zuversichtswelt findet das Geld immer den ökonomisch richtigen Weg - es landet am Ende in der Realwirtschaft. Das Problem: mit ihren Maßnahmen könnte die EZB den Anleihemarkt für andere Investoren austrocknen, das Geld würde statt dessen beispielsweise in die Aktien- und Immobilienmärkte fließen - so wie es das bereits tut. Die daraus möglicherweise resultierenden Blasen kommen in Draghis Welt allerdings bisher nicht vor.

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