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EZB senkt Leitzins Draghi schmeißt die Gelddrucker an

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Was genau kauft die EZB?

Zum Kauf von Pfandbriefen will die Zentralbank Anfang Oktober weitere Details bekanntgeben. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Notenbanker dieses Instruments bedienen. Bereits im Juli 2009 startete der damalige EZB-Präsident Jean-Claude Trichet den Kauf von Pfandbriefen, um das Bankensystem der Währungsunion zu stützen. Denn Europas Banken finanzieren einen beachtlichen Teil ihres Kreditgeschäfts mit solchen Wertpapieren.

Neu ist dagegen der Kauf von verbrieften Krediten. Damit können Banken ausstehende Forderungen aus Krediten an den Markt bringen und somit ihre Bilanzen entlasten. Dadurch bleibt mehr Spielraum zur Vergabe neuer Darlehen. Auch die EZB will mit den ABS-Käufen vor allem die Kreditvergabe in den Peripherieländern ankurbeln.

2014 – ein heikles Jahr für die EZB

Warum sind ABS umstritten?

Kreditverbriefungen gelten als heißes Eisen. Sie waren in der Finanzkrise 2007/08 vor allem in den USA als Brandbeschleuniger in Verruf geraten. Damals wurden vor allem faule Hypothekenkredite verbrieft, also die Auslöser der Krise. Der Käufer der Verbriefungen holte sich also faule Kredite in seine Bilanz und musste am Ende deren Ausfall akzeptieren. Der Markt für solche Papiere war daraufhin weitgehend zusammengebrochen.

Auch im Fall der EZB besteht die Sorge, dass die Zentralbank sich ausfallbedrohte Papiere in die Bilanz holt und der Steuerzahler am Ende für die Verluste einspringen muss. Mario Draghi weiß um diese Sorgen und betont, dass es sich bei den zu kaufenden Papieren um "einfache und transparente" Assets handeln soll. Laut Draghi plant die EZB, sowohl neue als auch alte ABS zu kaufen. Aber: Verbriefte Immobilienkredite stehen ebenfalls auf die Liste zum Kauf.

Warum verkündet Draghi schon wieder ein Maßnahmenpaket?

Erst Anfang Juni senkte die EZB zuletzt ihren Leitzins auf 0,15 Prozent. Schon kurz nach der Sommerpause folgt nun der nächste Knall. Als Rechtfertigung verwies Draghi auf die zuletzt größer gewordenen Risiken.

Da ist zum einen die niedrige Inflationsrate. Im August lag die Teuerung in der Euro-Zone nur noch bei mageren 0,3 Prozent - die EZB spricht aber nur bei knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen. Hinzu kommt, dass die Volkswirte der EZB auch in Zukunft mit niedrigen Raten rechnen und ihre Prognosen weiter senken mussten.

Die Ökonomen veranschlagen demnach für dieses Jahr lediglich einen Preisauftrieb von 0,6 Prozent, kommendes Jahr von 1,1 Prozent und 2016 von 1,4 Prozent. Noch im Juni hatten die EZB-Fachleute mit einer Inflationsrate in diesem Jahr von 0,7 Prozent gerechnet.

Gleichzeitig mussten die Analysten auch ihre Wachstumsprognosen nach unten korrigieren. Die EZB-Ökonomen erwarten nur noch ein Plus des Bruttoinlandsprodukts der Währungsunion von 0,9 Prozent, nachdem sie im Juni noch ein Wachstum von einem Prozent prognostiziert hatten. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft um 1,6 (Juni-Prognose: 1,7) und 2016 um 1,9 (1,8) Prozent zulegen. Insbesondere mit den Wertpapierkäufen will die EZB die Kreditvergabe wieder ankurbeln und damit die Konjunktur stabilisieren.

Reichen die Maßnahmen aus?

Grund für die ausbleibende Kreditvergabe ist unter anderem die geringe Bonität der Schuldner. An der Stelle kann das ABS-Programm wenig helfen. Auch das Umfeld für Kreditvergaben muss besser werden, dafür braucht es strukturelle Reformen in den Krisenländern. "Die EZB wäre deshalb gut beraten, weiterhin mit Nachdruck wirtschaftspolitische Reformen anzumahnen, die den Euro-Raum wieder auf einen verlässlichen Wachstumskurs bringen", sagt Michael Kemmer, der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes.

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