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EZB senkt Leitzins Draghi schmeißt die Gelddrucker an

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Wie reagieren die Märkte auf die Entscheidung?

Der Euro hat auf die Entscheidung mit einem Kursrutsch reagiert und gegenüber dem Dollar und anderen Währungen wie dem Yen oder dem britischen Pfund stark abgewertet. Nach Draghis Ankündigungen verlor die Gemeinschaftswährung um rund einen Prozent und rutschte erstmals seit mehr als einem Jahr unter 1,30 Dollar.

Da die Fed ihre Anleihekäufe sukzessive reduziert und eine Zinserhöhung in absehbarer Zeit denkbar ist, verliert der Euro gegenüber dem Dollar bereits seit einiger Zeit an Wert. Investoren schichten ihr Geld dahin um, wo sie höhere Zinsen bekommen. Einige Politiker in der Euro-Zone freut das.

Vertreter aus Frankreich beispielsweise hatten schon lange geklagt, der starke Euro schade der hiesigen Wirtschaft, da die exportierenden Unternehmen ihre Waren nicht mehr los würden. Offenbar hat Mario Draghi sich die Klagen der Franzosen zu Herzen genommen.

Die drei Pfeiler der Bankenaufsicht

Droht jetzt ein flächendeckendes Anleihekaufprogramm (Quantitative Easing, QE)?

Tatsächlich hat Mario Draghi sein Pulver nun fast komplett verschossen. Die Zinsen können nicht mehr nennenswert gesenkt werden, auch fast sämtliche unkonventionellen Maßnahmen sind bereits auf der Agenda. Bleibt ein großes Anleihekaufprogramm, wie es unter anderem die amerikanische Notenbank Fed auf dem Höhepunkt der Krise angewendet hat.

Dabei kauft die Notenbank in großem Umfang Wertpapiere, vor allem Staatsanleihen. Bisher hat sich die EZB dagegen gewehrt, mittlerweile bleibt das Liquiditäts-Monster aber das einzig verbleibende Instrument. "Wir haben über QE diskutiert", bestätigte Draghi. Es habe einige Ratsmitglieder gegeben, die mehr wollten als den Kauf von Kreditverbriefungen.

Dass es im Rat Befürworter eines solchen Programms gibt, ist unumstritten. Allerdings gibt es auch entschiedene Gegner wie Bundesbankchef Jens Weidmann. Nach der aktuellen Entscheidung scheint es allerdings eher eine Frage des "Wann" als eine Frage des "Ob" zu sein, dass ein Anleihekaufprogramm kommt. Sollte eine zu lange Phase niedriger Inflation drohen, sei der EZB-Rat zu weiteren unkonventionellen Maßnahmen entschlossen, sagte Draghi. Auch Beobachter halten ein solches Programm für möglich. "Die Tür für weitergehende Lockerungsschritte bleibt weit geöffnet", sagt Ralf Umlauf von der Hessischen Landesbank (Helaba).

Was bedeutet das für Sparer?

Einige Banken könnten die Zinssenkung zum Anlass nehmen und ihre Zinsen beim Tagesgeld erneut senken. Stark ins Gewicht dürfte das kaum fallen, da die Erträge sowieso schon marginal waren.

Gefährlich könnte es erst werden, wenn die Geldinstitute ihre Strafzinsen an die Sparer weitergeben. Allerdings dürfte ein Strafzins den Kunden schwer zu vermitteln sein. Er könnte den Wettbewerb um Kundeneinlagen stark befeuern.

Europa



Ein solches Szenario gilt daher als wenig realistisch. Es ist allerdings davon auszugehen, dass Verbraucher weiterhin ihr Geld lieber ausgeben, als es aufs Sparkonto zu bringen.

Gleichzeitig dürften Aktien und Gold in der Gunst der Anleger wieder steigen. Gold gilt weiter als sicherer Hafen gegen Inflation, die Aktienkurse werden durch Draghis expansive Geldpolitik erneut befeuert. Der Dax legte nach der Entscheidung bereits zu und kletterte zwischenzeitlich über die 9700-Punkte-Marke.

Freuen können sich dagegen Häuslebauer, Immobilienkredite dürften weiterhin für rekordtiefe Zinsen erhältlich sein. Wer in Kürze ein Haus kaufen oder bauen will, sollte die niedrigen Raten in höhere Tilgungsraten stecken.

Mit Material von Reuters.

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