EZB vor Anleihekäufen Draghi setzt zum letzten Schuss an

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird vermutlich massiv Anleihen kaufen, um das Deflationsrisiko zu bekämpfen. Doch ihr Ziel, die Kreditvergabe anzukurbeln, könnte die EZB damit verfehlen.

Mario Draghi bei einer EZB-Pressekonferenz Quelle: Bloomberg

Der Mannschaftskapitän dieses internationalen Teams ist Italiener und heißt Mario Draghi. Deswegen hat er im Elfmeterschießen auch den letzten Schuss. Und der muss sitzen. Sonst ist das Spiel verloren.

Draghis Gegner im Tor ist die Deflationsgefahr in der Euro-Zone. Aber im Gegensatz zu einer normalen Fußballmannschaft jubelt in Draghis Team nicht jeder, wenn der Italiener den Ball versenkt. Denn die Ultima Ratio des Chefs der Europäischen Zentralbank (EZB) wird beispielsweise vom deutschen Teammitglied Jens Weidmann hart kritisiert.

Dabei gilt es mittlerweile als sicher, dass die EZB am Donnerstag ein Anleihekaufprogramm verkünden wird. Zweifel daran gibt es kaum - die Zentralbank sei in gewissem Maße längst "Gefangene der Kapitalmärkte", sagt Martin Moryson, Chefvolkswirt bei Sal. Oppenheim.

Oder anders formuliert: Die Märkte haben die Anleihekäufe, im Fachjargon "Quantitative Easing" (QE) genannt, längst eingepreist.

Ökonomen zu den Staatsanleihenkäufen der EZB

Umso härter wird um die Ausgestaltung des Programms gekämpft. Welches Volumen haben die Anleihekäufe? Kauft die EZB nur Staatsanleihen oder greift sie auch bei Unternehmensanleihen verstärkt zu? Und vor allem: Lässt sich Draghi auf eine "nationale" Lösung ein, wonach zumindest ein Teil der Anleihekäufe ausschließlich durch die jeweiligen nationalen Notenbanken abgedeckt wird?

So wollen es nämlich einige Kritiker des Programms. Um die Haftungsrisiken für kränkelnde Staaten der Euro-Zone zu reduzieren, würde beispielsweise die Bundesbank dann nur deutsche Staatsanleihen kaufen.

Wie Mario Draghi die Märkte mit Geld fluten kann

Das große Problem für Elfmeterschütze Draghi ist, dass er mit QE seine letzte Waffe zieht. Bisher konnte sich der 67-Jährige auf die Wirkung seiner Worte verlassen, seine berühmte "Whatever it takes"-Rede besänftigte die Märkte.

Nun allerdings müssen Taten folgen. Verfehlen diese ihre Wirkung, wird es langsam eng. Deshalb täte die EZB gut daran, das Programm möglichst flexibel zu gestalten. "Es ist entscheidend, dass der Plan einfach und änderbar ist, schließlich gibt es bislang noch keinen empirischen Beleg dafür, dass QE tatsächlich zu höherer Inflation führt", sagt Franck Dixmier, Anleihestratege bei Allianz Global Investors.

Deflation oder nicht?

Und genau an der Deflationsfrage scheiden sich die Geister. "Mario Draghi muss das Deflationsrisiko abwenden, bevor es tatsächlich zu einer Deflationsspirale kommt", sagt beispielsweise Moryson. Kritiker wie Bundesbank-Chef Weidmann aber glauben nicht an die Deflationsgefahren. Zwar rechnet auch Weidmann mit längerfristig niedrigen Inflationsraten, die auch mal negativ sein können. Das räumte er bereits im Dezember ein. Allerdings sei das noch keine Deflation.

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