"Fehler bei der Rettung" Athen freut sich über IWF-Bericht

Der Internationale Währungsfonds hat schwere Fehler beim ersten Rettungsprogramm für Griechenland eingeräumt. Das Pleiteland frohlockt - und hofft auf einen lockereren Umgang der Troika.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat beträchtliche Fehler bei der Griechenland-Rettung eingeräumt. Quelle: REUTERS

Solch offene Worte hat man vom Internationalen Währungsfonds selten gehört: Das erste Rettungsprogramm für Griechenland sei von "beträchtlichen Misserfolgen" geprägt. Wirtschaftliche Entwicklungen wurden „überschätzt“, der Reformeifer Athens "unterschätzt". Kurzum: Die Griechenland-Retter hätten zu viel Optimismus bei den Wirtschaftsprognosen für den hoch verschuldeten Staat walten lassen, so das Ergebnis des IWF in einem Bericht zur Rettung des Landes vor drei Jahren.

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Auf den 51 Seiten zeigt sich der Washingtoner Fonds reumütig. Man habe damals seine eigenen Standards für die Schuldentragfähigkeit niedriger angesetzt. IWF und Euro-Gruppe  hätten zudem bereits früher im Jahr 2011 die privaten Gläubiger energischer drängen müssen, einen Schuldenschnitt in Kauf zu nehmen.

Trotz allem hält der IWF daran fest, dass es die richtige Entscheidung war, das Land 2010 mit 110 Milliarden Euro vor der Pleite und einem Euro-Austritt zu bewahren. Dennoch müssten aus der ganzen Sachen nun „Lehren gezogen werden“. Was das konkret heißt, wird offen gelassen – und öffnet Spekulationen Tür und Tor.

Griechenland jedenfalls sieht sich durch den IWF-Bericht erstaunlicherweise bestätigt. "Der Bericht ist objektiv und ist uns willkommen", sagte der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras der Athener Zeitung "Kathimerini". Der Bericht gebe "allen die Chance, ihre Fehler zu erkennen, damit sie nicht wiederholt werden".

Aus griechischer Sicht dürfte das heißen: Die Auflagen der Troika - einem Zusammenschluss von IWF, EU und Europäischer Zentralbank - sind zu hart. Der Sparkurs würgt das letzte bisschen Wirtschaftskraft ab. Statt zu sparen, müssen Investitionen getätigt werden, um Armut und Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. So weit, wie gesagt, die griechische Sicht.

Welche Lehren werden aus den Rettungspaketen gezogen?

Die zehn größten Euro-Lügen 2013
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"Nach jetzigem Stand kann ich mir nicht vorstellen, dass deutsche Steuerzahler zyprische Banken retten, deren Geschäftsmodell auf der Beihilfe zum Steuerbetrug basiert"Im Januar erklärte SPD-Chef Sigmar Gabriel, er könne sich nicht vorstellen, dass seine Partei einem Hilfspaket für Zypern zustimme. Bei der Bundestags-Abstimmung am Donnerstag stimmte die SPD größtenteils für die Milliardenhilfen für Zypern. Quelle: AP
der neue zyprische Präsident Nikos Anastasiades Quelle: REUTERS
José Manuel Barroso Quelle: AP

Das dürften die Geberländer naturgemäß anders sehen. Seit Längerem tobt auf europäischem Parkett ein Streit, wie man mit Griechenland umgehen soll. Zwar gibt es erste Anzeichen der Besserung - etwa bei der Reduzierung der Lohnstückkosten und dem Abbau der riesigen Leistungsbilanzdefizite - in dem Pleiteland, doch trotz der immensen Hilfen kommt Griechenland nicht aus der Rezession heraus. Die Wirtschaft wird wahrscheinlich im laufenden Jahr zum sechsten Mal in Folge schrumpfen, die Arbeitslosigkeit stagniert auf Rekordniveau.

Und: Griechenland ist weiterhin im globalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig. Das Land ist innerhalb von 16 Jahren in einer renommierten Vergleichsstudie der Schweizer Wirtschaftshochschule "IMD" zur Wettbewerbsfähigkeit um 18 Plätze nach unten gerauscht und liegt jetzt auf Rang 55, nur noch unmittelbar vor Jordanien und Venezuela.

Auch deswegen hält es der IWF in seinem Bericht für möglich, dass das Land von seinen europäischen Partnern einen weiteren Schuldenerlass benötigt, um die Anforderungen an die Schuldenquote einhalten zu können. Das wird freilich nicht vor der Bundestagswahl im September passieren.

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Doch danach dürfte die Diskussion neue Dynamik gewinnen. Zentrale Frage dann: Welche Lehren zieht die Gemeinschaft aus den ersten Rettungspaketen? Werden bei einem neuerlichen Schuldenschnitt auch die öffentlichen Gläubiger, sprich: die europäischen Steuerzahler, zur Kasse gebeten? In den Hauptgeberländern würde das keinen Jubel auslösen.

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