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Finanzielle Repression Angriff auf Ihr Geld

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Eine leichte Beute

Auffällig: Die beim Haus- oder Wohnungskauf anfallende Grunderwerbsteuer von 3,5 Prozent auf den Kaufpreis wird aktuell deutlich hochgeschraubt. So will die Schuldenmetropole Berlin ab Januar 2014 sechs Prozent kassieren, in Bremen sollen fünf und in Schleswig-Holstein sogar 6,5 Prozent fällig werden.

Immobilienbesitzer sind leichte Beute, sie können nicht mit ihrem Vermögen ins Ausland flüchten. An die selbst genutzte Immobilie wird sich die Politik nicht so schnell heranwagen, meint Weber. Zwangsmaßnahmen gegen Vermieter aber treffen nur wenige. Der Widerstand dagegen dürfte eher schwach sein.

Aktien im Visier

Dass nur wenige getroffen werden, gilt auch für Maßnahmen gegen Aktionäre. Eine Besitzsteuer oder Abgabe eigens für Aktien gab es zwar noch nie, sagt Carsten Burhop. Doch der Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Wien rät trotzdem davon ab, die Aktie als Bastion gegen den Staatszugriff zu sehen: „Aktienbesitz wurde bereits bei der Preußischen Vermögensteuer von 1893 herangezogen“, sagt Burhop. Für den Staat ist es leicht, bei Aktien zuzuschlagen: Wo bei Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen aufwendige Berechnungen nötig sind, um das Vermögen zu ermitteln, kann bei gehandelten Wertpapieren einfach der Kurs als Grundlage genommen werden.

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Bei der Währungsreform 1948 allerdings behielten Aktionäre ihre Papiere, verzeichneten zwar massive Kurseinbußen, im Wirtschaftswunder aber massive Gewinne. Dafür war vor allem Otto Ohlendorf verantwortlich, Vize-Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium. Eine „tief greifende Veränderung der Besitz- und Eigentumsverhältnisse“ wollte er verhindern, schreibt das „Handelsblatt“. Mit Deutsche-Bank-Vorstand Herrmann Josef Abs, dem späteren Bundesbank-Präsidenten Karl Blessing und dem späteren Wirtschaftsminister Ludwig Erhard erarbeitete er ein Schuldenabbauprogramm, das Aktionäre schonte und im Zuge der Währungsreform 1948 realisiert wurde.

Auf eine Wiederholung der Geschichte sollten Anleger hier aber nicht setzen – ausnahmsweise.

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