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Finanzkrise EZB bläst zum Angriff auf Schattenbanken

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Die EZB plant umstrittenes Kaufprogramm für Anleihen

 Weil die großen Geldhäuser schrumpfen, wächst der Schattenbankensektor. So ging die kumulative Bilanzsumme aller Euro-Banken 2013 auf 26,8 Billionen Euro zurück – nach 33,5 Billionen im Finanzkrisenjahr 2008. Auch die Zahl der aktiven Banken sank deutlich. Das Volumen des Schattenbankensektors legte im selben Zeitraum dagegen deutlich zu.

 Das ist kein Wunder, denn Hedgefonds, Private-Equity-Firmen oder Anleiheinvestoren decken sich nur zu gern mit den Forderungen der Banken gegenüber deren Schuldnern ein. Der Verkaufsdruck, unter dem die Institute stehen, verhilft Spekulanten zu willkommenen Schnäppchen. Zudem sind die abgestoßenen Kredite nicht alle faul, sondern oft noch werthaltig. Der Preis ist Verhandlungssache.

 

Auf freien Märkten spricht auf den ersten Blick nichts dagegen, wenn Banken Forderungen gegen ihre Kunden an interessierte Investoren verkaufen. Zum Problem wird der finanzielle Gebrauchtwarenhandel dann, wenn dadurch bedeutende Teile des Bankgeschäfts in dem Bereich des Finanzsektors landen, für den die strengen Bankaufsichtsregeln nicht gelten. Genau das ist bei den Hedgefonds und Investmentfirmen der Fall, die sich gerade mit großem Appetit an den Bilanzresten großer Banken bedienen. Sie sind für sich genommen zu klein oder zu spezialisiert, um von der Bankenaufsicht erfasst zu werden.

 Was hat das alles mit der Europäischen Zentralbank zu tun? Die EZB will schon bald ihr umstrittenes Kaufprogramm für Anleihen starten. Geschäftsbanken können sich auf diesem Weg in großem Stil von mehr oder weniger riskanten Wertpapieren in ihren Bilanzen befreien und bekommen dafür sogar noch Zentralbankgeld zugesteckt. Mit dieser Aktion soll den Banken Luft verschafft werden, um neue Kredite zu vergeben. Das wiederrum soll die stotternde Konjunktur ankurbeln.

Kritisiert werden die geplanten Anleihekäufe, weil sich die Zentralbank dabei unüberschaubare Risiken auf die Bilanz laden könnte. Davor hatte zuletzt etwa Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gewarnt, der selbst auch im EZB-Rat sitzt.

Europa



 Europas Notenbank kennt diese Bedenken natürlich und nimmt die Gegenargumente ernst. Sie will daher sorgfältig auf die Qualität der den Banken abgekauften Wertpapiere achten und zunächst mit dem Aufkauf von Pfandbriefen starten. Diese gelten als besonders sicher, weil die Banken dabei die Zahlungsansprüche gegenüber ihren Schuldnern verbindlich an die Käufer des Wertpapiers weitergeben.

 Danach allerdings könnte die EZB ihr Kaufprogramm auf Kreditverbriefungen ausweiten. Diese Finanzinstrumente sind wegen ihrer Intransparenz während der Finanzkrise in Verruf geraten. Doch selbst der Kauf von sicheren Pfandbriefen ist bedenklich, wenn dies dazu führt, dass sich die qualitativ hochwertigen Papiere bei der EZB sammeln, während die faulen Forderungen im Bankensystem zurückbleiben. Bekommen die betroffenen Institute Probleme, müssten wiederrum teure Rettungsaktionen folgen.

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