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Finanzkrise Island droht der nächste Knall

Nach der Bankenpleite 2008 erholte sich das Land schnell, doch die Bürger ziehen die falschen Schlüsse. Island steht vor der nächsten Immobilienblase - und auch die Beziehungen zu Europa steuern einen Tiefpunkt an.

Geysir auf Island Quelle: dpa

Wer über die Küstenstraße vom Flughafen Keflavík in die isländische Hauptstadt Reykjavík fährt, der sieht sie sofort: Die Überbleibsel der Finanzkrise aus Stahl und Glas. Moderne Bürohäuser stehen dicht an dicht am Straßenrand - und sind menschenleer. Hunderte Arbeitnehmer würden hier Platz für ihre Schreibtische und Kaffeemaschinen finden. Doch nach dem Knall von 2008, als Islands Bankensektor kollabierte und das Land in die Rezession stürzte, bauten die Unternehmen Jobs ab und flüchteten aus den teuren Prestigebauten. Die Arbeitslosenquote stieg von 2,4 Prozent (Dezember 2007) auf 7,8 Prozent (Dezember 2010). Auch wenn sich der Trend inzwischen umgekehrt hat: Der Arbeitsmarkt hat sich längst noch nicht auf Vorkrisen-Niveau eingependelt, die Büros bleiben unbesetzt. Und doch rollen längst wieder die Bagger an, um neue Geschäfts- und Wohnräume zu bauen.

"Es ist, als hätte es nie eine Krise gegeben", sagt Vlad Vaiman, Wirtschaftsprofessor an der Reykjavik University im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. "Isländer, vor allem aber auch Ausländer investieren in ein Eigenheim. Die Häuserpreise schießen in die Höhe." Unglaublich, aber wahr: Seit dem vierten Quartal 2010 sind die Preise bis heute um über 40 Prozent nach oben geschossen und haben wieder das Vorkrisen-Niveau erreicht. Und dass, obwohl die Privathaushalte hoch verschuldet sind. "Von dem Lebensstandard, wie wir ihn aus den frühen 2000er-Jahren kennen, sind die meisten Isländer weit entfernt. Die Abwertung unserer Währung, der Isländischen Krone, hat fast alles doppelt so teuer gemacht - ohne dass die Gehälter dermaßen gestiegen sind", erklärt Vaiman. "Aber die Mentalität hat sich nicht geändert: Jeder denkt, er brauche eine Immobilie."

Eigenheim ohne Eigenanteil

Island droht, die gleichen Fehler wie vor der Krise zu machen: Oftmals ohne signifikanten Eigenanteil werden Kredite aufgenommen. Für die 200.000-Euro teure Wohnung in Reykjavík oder für das Sommerhaus an der Küste. "Nach einem Bachelor-Studium gehen viele junge Isländer ins Ausland und machen dort Praktika oder ihren Master-Abschluss. Aber sobald sie zurückkommen und eine Familie gründen wollen, kaufen sie eine Immobilie", sagt Vaiman. Nicht wenige, die über den Hauskredit auch gleich noch den Kauf eines neuen Autos finanzieren. "Wenn du einen festen Job hast, bekommst du auch einen Kredit."

Die zehn häufigsten Fehler bei der Baufinanzierung

Auch ausländische Investoren helfen kräftig mit, eine neue Blase entstehen zu lassen. Grund sind die Kapitalverkehrskontrollen, die das Land nach dem Zusammenbruch der Banken 2008 installierte um Kapitalflucht und einen Kollaps der Währung zu verhindern. 6,5 Milliarden Euro sind auf der Insel im hohen Norden geparkt und können von den Gläubigern aus Großbritannien, Niederlande, Russland & Co. nicht abgezogen werden. Viele nutzen das Geld für eine der wenigen gebliebenen Optionen für langfristige Investments: den isländischen Immobilienmarkt.

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