Finanzmärkte Europäische Ratingagentur vor dem Aus

Die Unternehmensberatung Roland Berger scheitert mit ihren Plänen, eine europäische Ratingagentur zu gründen. Überraschend kam das nicht.

Drei Buchstaben

Zu Jahresbeginn hatte sich der bei der Beratungsfirma zuständige Partner Markus Krall noch optimistisch zu dem Projekt einer europäischen Ratingagentur gezeigt. Er kündigte an, dass im zweiten Quartal eine privat finanzierte, nicht Gewinn orientierte Stiftung gegründete werde, die es mit den Großen der Rating-Branche aufnehmen wollte. Nun kam das kleinlaute Eingeständnis, dass Roland Berger das notwendige Kapital – die Rede ist von 300 Millionen Euro – nicht bei Investoren einsammeln konnte.

Erster Versuch bereits gescheitert

Für Branchenkenner war die Entwicklung absehbar. Der zuständige EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hatte im November ausdrücklich von einer europäischen Rating-Agentur abgesehen, als er im vergangenen Jahr seine Regulierungspläne für die Branche vorstellte. Zu teuer, zu langwierig lautete seine Einschätzung des Projekts. Josef Ackermann, der scheidende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, warnte von Anfang an, dass es Jahre dauern würde, „bis eine solche Rating-Agentur sich ein entsprechendes Renommée aufgebaut hat.“

Die großen drei Ratingagenturen

Trotzdem machte sich Berater Krall an die Arbeit, wohl wissend um den Groll auf die etablierten Ratingagenturen. Standard & Poor´s, Moody´s und Fitch hatten die Finanzkrise in den USA nicht rechtzeitig heraufziehen sehen und waren wegen des Timings ihrer Herabstufungen von angeschlagenen Euroländern im vergangenen Jahr massiv in die Kritik geraten. Als die US-Ratingagentur Standard & Poor´s im vergangenen November dann auch noch Frankreich „versehentlich“ herabstufte, war bei vielen Politikern das Maß voll. Eine Alternative schien dringend notwendig.

Keine politische Unterstützung

Doch die Neugründung einer eigenen europäischen Agentur war eine Totgeburt. Dass das Projekt zum Scheitern verurteilt war, lässt sich schon daran ablesen, dass ein früherer Anlauf der europäischen Politik ebenfalls ohne Ergebnis geblieben war. 

Auch diesmal stieß das Projekt zwar auf Interesse, fand aber kaum politische Unterstützung. In Berlin beispielsweise hoffte Krall zwar lange auf einen Termin bei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, kam aber über ein Treffen mit Mitarbeitern des Chefs nicht hinaus. Und auch in den Regierungsfraktionen fand er nicht viel Beifall. „Zu glatt“ nannte beispielsweise ein hochrangiger Koalitionär den Auftritt Kralls.

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