Finanzminister Schäuble Steuerflucht der Konzerne gefährdet Zusammenhalt

Der Bundesfinanzminister findet klare Worte zur Steuerflucht deutscher Unternehmen: Die Eliten müssten aufpassen, dass sie nicht abheben und sich gesellschaftlich abkoppeln.

Die Steuerflüchtlinge unter deutschen Unternehmern
Klaus-Michael KühneSein Vermögen wird auf sieben bis acht Milliarden Schweizer Franken geschätzt. Bekannt ist Kühne in Deutschland als Großaktionär der Hamburger Reederei Hapag Lloyd und als Investor des Hamburger SV. An der Spedition Kühne+Nagel hält der 76-Jährige 53,3 Prozent. 1966 verlegte er den Firmensitz in die Schweiz. Quelle: dpa
Die Familie LiebherrAuf ein Vermögen von sieben bis acht Milliarden Franken hat es die Familie Liebherr mit Baumaschinen, Haushaltsgeräten und Hotels gebracht. Der Firmensitz der Dachgesellschaft wurde 1982 in die Schweiz verlegt. Quelle: dpa
Die Familie JacobsDas Geschäft der Familie begann mit einem Kolonialwarenladen in Bremen und wuchs zu einem internationalen Lebensmittelkonzern. Rund 19 Prozent des Zeitarbeitskonzerns Adecco gehören den Jacobs. Der Schweizer Schokoladenkonzern Barry Callebaut gehört zu rund 70 Prozent dem Familienunternehmen. Auf rund sieben bis acht Milliarden Euro wird das Vermögen der Familie Jacobs geschätzt. (Im Bild: Klaus J. Jacobs) Quelle: AP
Die Familie von FinckSeit 1999 lebt der ehemalige Geschäftsführer der Privatbank Merck Finck & Co., August von Finck, in der Schweiz. Ihr Vermögen von rund 5,5 Milliarden Franken hat die Familie unter anderem in die Hotelkette Mövenpick investiert. Quelle: dpa
Die Wella-Erben2003 verkauften die Mitglieder der Wella-Gründerfamilie Ströher das Haarprodukte-Unternehmen für mehr als sechs Milliarden Euro an Procter & Gamble. Das Vermögen der Familie wird auf 4,5 Milliarden Franken geschätzt. Quelle: dpa-dpaweb
Karl-Heinz KippAuf 4,5 Milliarden Schweizer Franken wird das Vermögen des 89-jährigen Karl-Heinz Kipp geschätzt. Der ehemalige Eigentümer der Massa-Märkte besitzt mit dem Tschuggen Grand Hotel in Arosa und dem Carlton in St. Moritz zwei Fünfsterne-Hotels. Quelle: PR
Erich und Helga Kellerhals21,6 Prozent halten der Mediamarkt-Gründer Erich und Helga Kellerhals an der Metro-Tochter Media Saturn. Bei wichtigen Entscheidungen haben sie immer noch ein Vetorecht. Geschätztes Vermögen: Vier bis 4,5 Milliarden Franken . Quelle: dpa
Heinz Baus230 Fachmärkte in 17 Länder betreibt der Gründer der Baumarktkette Bauhaus. Sein Vermögen wird auf vier Milliarden Schweizer Franken geschätzt. Quelle: Creative Commons-Lizenz
Theo MüllerAuf  3,5 Milliarden Franken wird das Vermögen des deutschen Milchbarons Theo Müller geschätzt. In den letzten zehn Jahren konnte er seinen Umsatz mit Molkereiprodukten, Delikatessen der Feinkostfabrikanten Nadler oder Homann und der Fisch-Restaurantkette Nordsee verdoppeln. Quelle: dpa
Familie Cloppenburg110 Läden in 15 Ländern betreibt der Textilriese Peek & Cloppenburg mit Sitz in Düsseldorf. Seit 2000 ist Harro Uwe Cloppenburg in der Schweiz gemeldet und besitzt seit 2005 einen österreichischen Pass. Das Vermögen der Familie wird auf 2,5 bis drei Milliarden Franken geschätzt. Quelle: dpa/dpaweb
Joachim und Andreas KohmJoachim und Andreas Kohm leiten das Versandhandelshaus K-Versand Holding in Deutschland, zu dem unter anderem die Versendermarken Amara (Schmuck), Veillon (Mode) und Vamos (Schuhe) gehören. Ihr Vermögen wird auf 1,5 bis 2 Milliarden Franken geschätzt. Quelle: Presse
Michael Schmidt-RuthenbeckDas Vermögen des Großaktionärs der Handelsgruppe Metro wird auf 1,5 bis 2 Milliarden Franken geschätzt. Er steuert außerdem die Stiftung Mercator in Essen. Quelle: dpa
Otto HappelSein Vater gründete die Gesellschaft für Entstaubungsanlagen, die spätere GEA-Group, die Happel seit 1975 leitete. Sein Vermögen wird auf rund drei Milliarden Franken geschätzt. Quelle: Presse
Uwe und Marc HolyDer Boss-Gründer Uwe Holy leitet gemeinsam mit Sohn Marc die Holygruppe mit den Marken Joop, Strellson und Windsor. Ihr Vermögen wird auf 350 bis 400 Millionen Franken geschätzt. Quelle: Creative Commons - Daniel Gantert

Die groß angelegte Steuerflucht deutscher Unternehmen ins Ausland richtet aus Sicht von Finanzminister Wolfgang Schäuble moralischen Schaden an und gefährdet den Zusammenhalt in der Gesellschaft. „Die Eliten müssen aufpassen, dass sie nicht abheben und sich damit abkoppeln vom Rest der Gesellschaft“, sagte der CDU-Politiker dem „Focus“.

Steueroasen

Die Liste der Konzerne, die etwa in Luxemburg Steuersparmodelle betrieben, sei ein „Who's who der europäischen Wirtschaft“. Niemand erwarte vollständige Gerechtigkeit. Aber es müsse wenigstens fair zugehen, denn das sei die Voraussetzung für Akzeptanz. „Dessen sollten sich die wirtschaftlichen Eliten stärker bewusst sein. Über das große Versagen, auch bei Menschen, von denen man mehr erwartet hätte, kann man sich nur wundern“, sagte der Minister.

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Derzeit prüft die EU-Kommission mögliche illegale Steuervorteile für Unternehmen in Luxemburg, den Niederlanden und Irland. Berichte über Steuertricks sind vor allem für den neuen Chef der EU-Kommission Jean-Claude Juncker misslich, weil er im Großherzogtum Luxemburg lange Premier und Finanzminister war. Kommende Woche steht ihm deshalb ein Misstrauensvotum im Europaparlament bevor.

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