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Fitch senkt Bonitätsnote Slowenien - vom Musterland zum Sorgenkind

Einst galt Slowenien als Musterknabe, jetzt steht der Alpenrepublik wirtschaftlich das Wasser bis zum Hals. Auch Fitch hat jetzt die Kreditwürdigkeit um eine Stufe nach unten korrigiert. Der Ausblick sei zudem negativ.

Slowenien Jansa Barroso Quelle: dpa

Mitten in der gut laufenden Reisesaison kommen die wirtschaftlichen Tiefschläge für Slowenien fast im Tagestakt. Die Ratingagentur Moody's senkte Anfang August die Kreditwürdigkeit des Eurolandes gleich um drei Stufen. Bei Moody's steht das Euroland nur noch zwei Stufen über dem „Ramsch“-Status. Nachdem auch die Ratingagentur Standard and Poor's (S&P) den Daumen gesenkt hatte, musste das Land am letzten Freitag klar über sieben Prozent Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen berappen.

Die großen drei Ratingagenturen

In dieser Woche folgten die Abwertung der staatlichen Telekom Slovenije, der staatlich garantierten Bankschulden und am Dienstag der staatlichen Versicherung Triglav und des Rückversicherers Pozavarovanlnica Sava. Am Mittwoch schließlich kam die Abstufung durch die Ratingagentur Fitch. Die einst solide Slowenien AG, in der ausländische Investoren weitgehend ausgeschlossen wurden und der Staat in allen wichtigen Unternehmen und Fonds meist das Sagen hat, wankt.

Wie in Spanien sind es auch in dem kleinen Adrialand mit zwei Millionen Einwohnern die Banken, die mit ihrer Schieflage das ganze System gefährden. Rund 18 Prozent aller Bankkredite sollen von Ausfall bedroht sein. Im eingebrochenen Bausektor sind es sogar 50 Prozent. Moody's schätzt, dass das marode Bankensystem, wo auch der Staat den Ton angibt, bis zu drei Milliarden Euro Sanierungskosten benötigt. Der slowenische Wirtschaftsprofessor Joze Damijan bezifferte den Bedarf an frischem Geld zur Aufstockung des Kapitals und zur Ablösung fauler Kredite auf bis zu acht Milliarden Euro.

Ratingagenturen ABC

Aber das ist nur ein Teil des Problems. „Sloweniens Unternehmen gehören in der EU zu den am höchsten verschuldeten“, analysiert Germany Trade&Invest. Und: „Schwierige Strukturreformen, unter anderem die des Rentensystems, des Arbeitsrechts und des Gesundheitssystems stehen noch bevor.“ Dazu bräuchte die Mitte-Rechts-Regierung von Janez Jansa wegen der geforderten Zwei-Drittel-Mehrheit auch die Unterstützung der Opposition, die weit und breit nicht in Sicht ist. Schlimmer noch. Die beiden größten Koalitionsparteien liegen im Clinch.

Die Atmosphäre zwischen Jansas SDS und der Bürgerliste von Parlamentspräsident Gregor Virant wird zunehmend vergiftet. Erst am letzten Wochenende teilten die eigentlich Verbündeten öffentlich wieder Vorwürfe und Ratschläge aus. Die wackelige Regierung wird denn von den meisten Wirtschaftsexperten auch als Risikofaktor angeführt.

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