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Flüchtlinge Die Pufferpolitik löst keine Probleme

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Effektiverer Kampf gegen Schlepper

Frontex-Chef Fabrice Leggeri fordert, dass seine Leute die Arbeit der griechischen und türkischen Küstenwache koordinieren sollen. Die Bergung von Schiffbrüchigen ist dabei ein nachrangiges Ziel der gemeinsamen Patrouillen. Vor allem soll der Kampf gegen Schlepper effektiver geführt werden. Gewünschter Nebeneffekt des gemeinsamen Vorgehens: Aufgegriffene Flüchtlinge könnten leichter zurück in die Türkei gebracht werden.

In Piräus teilt sich Frontex bereits jetzt den Bürokomplex mit der griechischen Küstenwache. Nach einem kurzen Anruf von Apostolou klopft es an seiner Bürotür. Ein stämmiger Mann in weißer Uniform tritt herein. Es ist ein hochrangiger General der Küstenwache. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen, denn „die Schmuggler müssen nicht wissen, wer ich bin“. Aber er gibt bereitwillig Auskunft.

Nur etwa 50 Boote stehen der griechischen Küstenwache zur Verfügung, um die rund 2000 Kilometer lange Seegrenze zur Türkei zu überwachen. 65.000 Flüchtlinge habe die Küstenwache dieses Jahr aus dem Mittelmeer gerettet, sagt der General. Rund 200 Schmuggler seien seit Jahresbeginn festgenommen worden. „Auf dem Meer fangen wir nur die kleinen Fische. Die richtigen Schmuggler sitzen in der Türkei. Die fahren die Boote nicht selbst.“

Um sie zu verhaften, sieht der General die Türkei in der Pflicht. „Die türkischen Behörden halten die Flüchtlinge kaum zurück. 50.000 Flüchtlinge haben sie seit Jahresbeginn von der Flucht über das Meer abgehalten. 350.000 haben sie durchgelassen. Wo ist da die Relation?“ Der General schnauft.

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    Auch in Brüssel ist vielen Verantwortlichen unwohl bei dem Gedanken, dass der Erfolg europäischer Flüchtlingspolitik auch vom autokratischen türkischen Staatspräsidenten abhängt. Aber was ist die Alternative? Beim Treffen in Brüssel schworen EU-Politiker Erdoğan auf eine engere Zusammenarbeit ein – vorerst noch ohne konkrete Ergebnisse. Und selbst wenn Erdoğan (bei entsprechender Gegenleistung der EU) die Flüchtlingsströme gen Westen bremst, ist das Problem nicht gelöst.

    „Die Fluchtrouten könnten sich ändern“, sagt Frontex-Mann Apostolou, „vielleicht nutzen die Schmuggler dann wieder verstärkt die Route über den Fluss Evros von der Türkei nach Griechenland.“ In Apostolous Büro hängt ein Foto dieses Flusses im Sonnenuntergang an der Wand – neben dem Bild des Schlauchboots voller Flüchtlinge.

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