Flüchtlinge Eine erfolgreiche Flüchtlingspolitik beginnt in Afrika

Die EU will mit Küstenwachen der illegalen Migration beikommen – doch das reicht nicht. Wenn das Sterben auf dem Mittelmeer enden soll, ist eine neue Afrikapolitik gefragt.

Flüchtlinge, die aus einem EU-Land nach Ungarn zurückgeschickt werden, dürfen nun doch wieder nach Ungarn einreisen.  Quelle: dpa Picture-Alliance

Es ist frustrierend für die französischen Soldaten, die in Afrikas grenzenlosem Wüstenstaat Mali stationiert sind. Fast täglich treffen ihre Patrouillen in der Sahara auf Kleinbusse voller Menschen auf dem Weg ins Schleuserzentrum Agadez in Niger. Doch sie aufzuhalten ist rechtlich unmöglich.

Die Soldaten, die Mali Frieden bringen und einen neuen Vormarsch von Islamisten verhindern sollen, müssen die armen Seelen ziehen lassen auf ihrer Reise in die Illegalität in Europa. Oder im viel schlimmeren Fall: in den Tod im Mittelmeer.

Über das Mittelmeer nach Europa: Zahlen zu Flüchtlingen

Offenbar bedurfte es erst der Fernsehbilder von vielen Hundert Toten, um die europäische Politik aus ihrer Gleichgültigkeit zu reißen. Vergangenen Donnerstag tagten die Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel. Mehr Geld für Schiffe und Hubschrauber soll es zur Rettung von Menschenleben im Mittelmeer geben – das war unumstritten, ist aber nur eine Abkehr von Sparmaßnahmen, die seit Jahresanfang schreckliche Folgen hatten.

Auch die Zerstörung von mutmaßlichen Schlepperbooten kann allenfalls die Kosten der illegalen Migration erhöhen und dazu führen, dass arme nordafrikanische Fischer nach dem Verlust ihrer Kähne selbst zu Armutsflüchtlingen werden. Und die gerechte Verteilung der Flüchtlinge auf die 28 EU-Länder? Ein schönes, doch politisch fast aussichtsloses Ziel, das allenfalls die Nöte italienischer und deutscher Bürgermeister lindert, aber nicht das Elend, um das es eigentlich geht.

Suche nach besserem Leben

Der Treck der Flüchtlinge reißt nicht ab, er wird im Gegenteil immer länger. Neben den Leidtragenden des syrischen Bürgerkriegs kommen in erster Linie Afrikaner, die schon 2014 das Gros der in der EU registrierten 168.000 Flüchtlinge ausmachten. Auf der Suche nach einem besseren Leben flüchten viele Menschen aus Eritrea, Mali, Nigeria, Gambia, Somalia, Senegal und vielen weiteren Ländern.

Flüchtlinge Routen Europa

Teils sind es Länder im Krieg und Bürgerkrieg, teils üble Diktaturen. Aber auch wo das nicht der Fall ist, fehlen jungen Menschen oft die Zukunftsperspektiven in der Heimat – und die suchen sie nun in Europa. „Migranten orientieren sich an anderen Migranten“, sagt Heribert Dieter vom Berliner Thinktank Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). „Gelingt einer großen Zahl von Menschen die Flucht übers Mittelmeer, sorgt dies für einen Anreiz, den gleichen Weg zu nehmen.“ Für dieses Jahr rechnen die Behörden mit bis zu einer Million illegaler Einwanderer auf dem Seeweg.

Es klingt zynisch, aber auch das eskalierende Flüchtlingsproblem folgt dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Seit in Libyen Chaos herrscht – auch als Folge des zu früh abgebrochenen Militäreinsatzes westlicher Staaten –, ist die lange Küste des nordafrikanischen Landes eine sichere Basis für Schleuser. Von hier aus organisieren sie die lebensgefährlichen Überfahrten nach Europa, für die sie einen stetigen Strom verzweifelter Kunden finden.

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