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Flüchtlinge Wege aus der Misere

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Wir brauchen eine neue Entwicklungshilfe

Beim Handel mit Afrika hat die deutsche Wirtschaft noch viel aufzuholen: Nur zwei Prozent des deutschen Außenhandels wird mit Afrika abgewickelt – obwohl der Kontinent einen Anteil von drei Prozent am Welthandel hat und seit mehreren Jahren stabil wächst. Und wenn die Deutschen auf dem wachsenden Kontinent mit einer Milliarde Einwohnern schon Handel treiben, dann bevorzugt mit dem relativ entwickelten Südafrika, sowie den Maghreb-Staaten im Norden. Um die ärmeren Länder südlich der Sahara, die abgesehen vom 160-Millionen-Staat Nigeria zumeist recht klein sind, machen deutsche Vertriebler lieber einen großen Bogen – zu riskant, zu unbekannt.

Gründe für die Zurückhaltung gibt es vor allem zweierlei: Einerseits die hohe Risikoaversion besonders des deutschen Mittelstands, die vielfach übertrieben ist. Andererseits unternimmt die Bundesregierung noch zu wenig, um den Exporteuren Risiken abzunehmen: So genannte „Hermes-Bürgschaften“, mit denen der Bund über die Versicherungsgesellschaft Euler-Hermes die Unternehmen im Fall von Zahlungsausfällen entschädigt, sind kompliziert und langwierig zu beantragen.

Bis vor kurzem waren einzelne Länder wie Ghana und Tansania sogar gänzlich hiervon ausgenommen, wenn vor Jahren der Bundesfinanzminister mal einem Schuldenerlass zugestimmt hat. Dies immerhin wurde auf Druck von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gelockert. Handel schafft Arbeitsplätze – zu Hause wie auch in Afrika selbst. Darum sollten Bürgschaften im Sinne einer aktiven Außenwirtschaftsförderung weiter vereinfacht werden.

In Arbeit
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Zumal sie eines Tages womöglich zu Investitionen führen. Denn das ist der nächste Schritt. Da hat sich in den vergangenen Jahren viel in Afrika verändert, zum Positiven wie zum Schlechten: Wie der Londoner „Economist“ vor einiger Zeit feststellte, betragen die jährlichen ausländischen Direktinvestitionen in den rohstoffreichen afrikanischen Staaten derzeit etwa zwei Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, viel weniger als vor der Weltfinanzkrise von 2008.

In den rohstoffarmen und damit in der Regel bettelarmen Ländern beträgt diese Quote dagegen inzwischen fast fünf Prozent mit sehr leicht steigender Tendenz.

Das könnte hoffen lassen – nur: Die Rede ist von insgesamt etwa sechs Milliarden Dollar für den gesamten Kontinent einschließlich Südafrikas und der Ölstaaten Algerien, Angola, Libyen und Nigeria. Und nach Investoren aus Deutschland muss man lange suchen. Chinesen und Amerikaner, Briten und Franzosen scheinen besser zu begreifen, dass es in Afrika wirtschaftliche Chancen gibt und nicht nur Gründe zur Sorge vor Massenmigration und zum Mitleid mit menschlichem Elend.

Wenn sich das herumspricht, bekämen wir vielleicht auch endlich – nach mehr als einem halben Jahrhundert! – eine Entwicklungshilfe, die ökonomischer Vernunft folgt und nicht außer der Gewissensberuhigung alle ihre Ziele verfehlt. Zuförderst das Ziel, sich langfristig überflüssig zu machen und mittelfristig junge Afrikaner ermutigt, in ihrer Heimat zu bleiben.

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