Flüchtlingskrise Mazedonien baut Grenzzaun zu Griechenland

Das arme Mazedonien will mit einem Grenzzaun sogenannte Wirtschaftsmigranten von der Balkanroute fernhalten. Doch auf ihr sind weiter Tausende unterwegs in Richtung Westeuropa.

Grenzzaun Mazedonien Quelle: dpa

Das Balkanland Mazedonien hat am Samstag mit dem Bau eines Grenzzauns zum südlichen Nachbarn Griechenland begonnen. Damit sollten sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge an der Weiterreise auf der Balkanroute Richtung Österreich und Deutschland gehindert werden, berichteten die Behörden. Auf dieser Transittrasse waren aber auch am Wochenende wieder Tausende Flüchtlinge und Migranten nach Norden unterwegs.

Kroatien meldete von Samstag bis Sonntagmorgen knapp 4000 neue Einreisen. Die slowenischen Behörden berichteten allein am Samstag von 3100 angekommenen Menschen. Damit seien seit Mitte Oktober, als die Flüchtlingsroute erstmals über dieses kleine EU- und NATO-Land lief, mehr als 270 000 Menschen angekommen. In Kroatien seien es seit Mitte September mehr als 450 000 gewesen, teilte das Innenministerium mit. Praktisch alle wollten nach Westeuropa und vor allem nach Deutschland.

Über das Mittelmeer nach Europa: Zahlen zu Flüchtlingen

An der griechisch-mazedonischen Grenze reagierten die blockierten Flüchtlinge mit Gewalt. Sie griffen die Polizei mit Steinen an. 18 Beamte seien verletzt, Polizeiwagen beschädigt worden, meldete das Innenministerium. Innenminister Oliver Spasovski besuchte am späten Samstag das Grenzgebiet. Die Lage sei unter Kontrolle, sagte er.

Nach Ungarn und Slowenien ist Mazedonien das dritte Land auf dem Transitweg, das den Ansturm Tausender auf diese Weise eindämmen will. Schon seit Tagen lässt die mazedonische Polizei nur noch Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak durch. Abgewiesen werden als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnete Menschen vornehmlich aus Asien.

Verzweifelte Menschen versuchten mit spektakulären Aktionen, ihre Durchreise zu erzwingen. Sie legten sich auf Eisenbahnschienen und blockierten den Verkehr vorübergehend. Einige nähten sich die Münder zu oder begannen einen Hungerstreik.

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Der Bürgermeister der griechischen Grenzstadt Idomeni, Christos Gountenoudis, äußerte sich besorgt über den Bau des Zauns. Die Situation sei ohnehin gefährlich und werde damit noch schlimmer, sagte er der griechischen Nachrichtenagentur ANA-MNA.

„Tausende Menschen kommen hier an, sie schlafen im Regen und in der Kälte in Zelten“, sagte Gountenoudis. „Es muss bereits in Athen eine Überprüfung der Flüchtlinge stattfinden, damit hier an der Grenze nur legitime Flüchtlinge und keine Wirtschaftsmigranten ankommen.“

Seit Einführung der Grenzkontrollen am 13. November haben die französischen Behörden fast 1000 Menschen wegen Sicherheitsbedenken an der Einreise gehindert. 15 000 Zollbeamte, Polizisten und Gendarmen seien zur Sicherung der Grenzen mobilisiert worden, teilte Innenminister Bernard Cazeneuve mit. Die Kontrollen waren mit Blick auf den am Montag beginnenden UN-Klimagipfel angelaufen und nach den Terroranschlägen mit 130 Toten deutlich verschärft worden.

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