Flüchtlingskrise UN rechnet mit einer Million neuer Flüchtlinge bis Ende 2015

Bis zum Jahresende könnten nach Angaben der Vereinten Nationen eine weitere Million Menschen zu Flüchtlingen werden, wenn sich die Konflikte in Syrien weiter verschärfen.

Syrische Flüchtlinge Quelle: dpa

Der Bürgerkrieg in Syrien lässt nach Einschätzung der Vereinten Nationen bis Jahresende eine weitere Million Menschen zu Flüchtlingen werden. "Wenn nicht etwas Großes geschieht, um den Konflikt politisch zu lösen, wird der Zug der Menschen aus Syrien heraus noch viele Monate lang anhalten", sagte UN-Hilfskoordinator Jakub al-Hillo am Samstag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. "Europa wird sich einer Flüchtlingskrise gegenüber sehen, die mit dem vergleichbar ist, was 1950 zur Gründung des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR führte", sagte er mit Verweis auf die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg. Allein seit Jahresanfang seien eine Million Syrer aus ihren Wohnorten geflohen.

Diese Zahl könnte sich nun verdoppeln, wenn sich die Kämpfe im Land weiter verschärften, sagte al-Hillo. "Man kann davon ausgehen, dass viele der Flüchtlinge sich auf den Weg nach Europa machen, und das zu Recht, weil die Nachbarländer an ihre Grenzen stoßen." Derzeit halten sich die meisten Flüchtlinge aus Syrien in den Nachbarländern Türkei, Libanon und Jordanien auf.

Um den Menschen im Land zu helfen, sei mehr Geld nötig. Allein bis Jahresende würden mindestens 738 Millionen Dollar benötigt. "Wir haben immer noch die Möglichkeit, vielen Menschen zu helfen, in Syrien zu bleiben. Andernfalls wird der Zug der Menschen in alle Richtungen gehen, auch nach Europa."

Seit Beginn des Bürgerkrieges 2011 wurden eine Viertelmillion Menschen getötet. Die Hälfte aller Syrer musste ihre Häuser verlassen, vier Millionen Menschen flohen ins Ausland, 7,6 Millionen sind innerhalb Syriens auf der Flucht. Der größte Teil der Syrer, die sich im Land aufhalten, befinde sich in den Gebieten im Westen, die von der Regierung gehalten werden.

4,8 Millionen Menschen lebten jedoch in Gebieten, die nur schwer von Hilfsorganisationen erreicht werden könnten, sagte al-Hillo. Immerhin habe sich die Versorgung dieser Menschen seit vergangenem Jahr gebessert, weil mehr Hilfsgüter über die Grenzen zu Jordanien und die Türkei gebracht werden könnten. "Wir waren aber extrem erfolglos dabei, die Menschen zu erreichen, die in den von der Extremistenorganisation Islamischer Staat gehaltenen Gebieten leben", sagte der UN-Koordinator.

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