Flüchtlingstragödie in Österreich erschüttert Balkanrunde Angela Merkel drängt auf faire Aufnahme-Quoten

Der Eindruck Dutzender toter Flüchtlinge in einem Lastwagen in Österreich überschattet die Westbalkan-Konferenz in Wien - und verleiht der Diskussion über neue Wege im Asylverfahren Zündstoff.

Angela Merkel und der österreichische Regierungschef Werner Faymann Quelle: dpa

Unter dem Eindruck einer neuen Flüchtlingstragödie in Österreich drängt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mehr denn je auf eine faire Quote zur Aufnahme von schutzsuchenden Menschen in der EU. Auch eine Übereinkunft zur Einstufung der Länder des Westbalkans als sichere Herkunftsländer müsse zügig erfolgen, sagte Merkel am Donnerstag auf der Westbalkan-Konferenz in Wien. „Sie brauchen an unserer Entschlossenheit nicht zu zweifeln“, betonte die Kanzlerin. Deutschland werde eine entsprechende Offensive der EU-Kommission unterstützen.

Kurz zuvor waren in einem Lastwagen auf einer österreichischen Autobahn Dutzende Leichen von Flüchtlingen entdeckt worden. Die Polizei sprach von 20 bis 50 Opfern. „Wir sind alle erschüttert von der entsetzlichen Nachricht“, sagte Merkel in einer ersten Reaktion. „Das waren Menschen, die auf dem Weg waren, um mehr Sicherheit und Schutz zu suchen und dabei einen so tragischen Tod erleiden mussten.“

Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) rief zu einem verstärkten Kampf gegen Schlepper auf: „Wir haben gemeinsam die Pflicht, etwa jene, die an diesem Leid auch noch verdienen, in die Schranken zu weisen“, sagte er mit Blick auf die vielen Flüchtlinge, die auf der Balkanroute nach Nord- und Westeuropa streben. Auch in dieser Frage sei ein gemeinsames Vorgehen der EU nötig. „Jeder ganz allein, erst recht gegen den Anderen, werden wir diese Herausforderung nicht lösen können“, betonte Faymann in seiner Eröffnungsrede. Eine gemeinsame EU-Strategie könne die einzige Antwort sein.

Was Flüchtlinge dürfen

Die „Balkan-Route“ führt über die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Serbien. Ungarn ist für Flüchtlinge ein Transitland, kein Zielland. Die Zahl der Flüchtlinge ist hier nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 600 Prozent gestiegen. Der Zuwachs bei den Menschen, die über das Mittelmeer gekommen seien, liege dagegen nur bei fünf bis zehn Prozent, sagte de Maizière am Donnerstag in Nürnberg. „Das war nicht vorhersehbar.“

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