Folge des Terrors? Die Mehrheit der Briten will den Brexit

Die Mehrheit der Briten plädiert nach einer Umfrage der Zeitung „The Independent“ für einen Austritt aus der EU. Demnach wollen 52 Prozent den Brexit – nur 48 Prozent wollen in der EU bleiben.

Das sind die wichtigsten Europakritiker
Nigel Farage Quelle: dpa
Frankreich Front National (FN) (70.000 Mitglieder) Marine Le Pen hat die 1972 gegründete Partei 2011 von ihrem Vater übernommen. Stark ist der FN in Südfrankreich, im Elsass sowie in den Regionen Lothringen und Nord-Pas-de-Calais. Er stellt mehrere Bürgermeister und ist mit rund 120 Abgeordneten in zwölf Regionalparlamenten vertreten. Wichtigste Forderung: Raus aus dem Euro und Neugründung Europas als Bündnis souveräner Nationalstaaten. Prognose für die Europawahl: Mit ca. 24 Prozent stärkste Kraft Quelle: REUTERS
Deutschland Alternative für Deutschland (AfD) (17.000 Mitglieder)Bernd Lucke gründete die Partei der Euro-Kritiker im Februar 2013. Der Einzug in den Bundestag wurde im Herbst 2013 nur knapp verpasst. Zuletzt präsentierte sich die ursprüngliche Professorenpartei stark zerstritten. Prognose für die Europawahl: 4 bis 7 Prozent Quelle: AP
Niederlande Partei für die Freiheit (PVV) (1 Mitglied)Geert Wilders ist Kopf und offiziell einziges Mitglied der niederländischen Rechtspartei. Nach der Schlappe bei den Parlamentswahlen 2012 (nur 10,1 Prozent) will er bei den Europawahlen durchstarten. Die Demoskopen halten einen Erfolg für wahrscheinlich. Die PVV weist derzeit die meisten Anhänger auf, die tatsächlich wählen gehen wollen. Prognose für die Europawahl: Stärkste Kraft mit 17 Prozent Quelle: AP
Italien Bewegung 5 Sterne (250.000 Mitglieder)Die Bewegung des Komikers Beppe Grillo mag zerstritten sein. Europa bietet seiner Anti-Establishment-Plattform aber reichlich Angriffsfläche. Grillo kann daher mit 16 Sitzen im Europäischen Parlament rechnen. Im italienischen Parlament stellt seine Fraktion 109 von 630 Abgeordneten. Prognose für die Europawahl: Mehr als 20 Prozent Quelle: REUTERS
Griechenland Syriza (ca. 40.000 Mitglieder)Spitzenmann Alexis Tsipras hofft auf eine Wiederholung von 2009: Das schlechte Abschneiden der konservativen Nea Dimokratia (ND) bei der Europawahl erzwang damals Neuwahlen, die zu einem Regierungswechsel führten. Premierminister Antonis Samaras will Neuwahlen um jeden Preis vermeiden. Im nationalen Parlament stellt Syriza aktuell 71 von 300 Abgeordneten. Prognose für die Europawahl: Stärkste Kraft mit 31,5 Prozent Quelle: AP
Finnland Die wahren Finnen (10 000 Mitglieder)Timo Soini, Chef der 1995 gegründeten Partei, ist vom Einzug seiner Partei ins Europaparlament überzeugt. Die Partei bezeichnet sich als patriotisch und EU-skeptisch. Seit 2011 ist sie mit 39 von 200 Abgeordneten im nationalen Parlament vertreten. Prognose für die Europawahl: Drittstärkste Kraft mit 17,5 Prozent Quelle: dpa Picture-Alliance

Die Mehrheit der Briten befürwortet laut einer Umfrage der Zeitung „The Independent“ (London) einen Austritt aus der EU. 52 Prozent plädieren für den „Brexit“, nur 48 Prozent wollen in der Gemeinschaft bleiben. Damit unterstütze erstmals bei den monatlichen Umfragen des Blattes eine Mehrheit den Austritt, schreibt der „Independent“. Premierminister David Cameron könnte bereits nächstes Jahr ein Referendum über Austritt oder Verbleib der Briten in der EU ansetzen.

Möglicherweise reagierten die Befragten auf die Terrorangriffe von Paris sowie auf die Flüchtlingskrise, meinte der „Independent“ in seiner Dienstagsausgabe. Allerdings sei die Unterstützung für einen Verbleib in der EU bereits im Oktober geringer geworden. Noch bis September hätten 55 Prozent in der Gemeinschaft bleiben, nur 45 Prozent gehen wollen. Für die Umfrage wurden den Angaben zufolge vergangenen Mittwoch und Donnerstag 2000 Briten befragt.

Die höchste Zustimmung zur EU gibt es mit 60 Prozent in Schottland. Britische Medien spekulieren bereits, sollte Großbritannien tatsächlich aus der EU austreten, werde sich Schottland von London loslösen.

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Cameron hat eine solche Abstimmung über den Verbleib in der EU bis spätestens Ende 2017 versprochen. Doch ein früherer Urnengang gilt als durchaus möglich. Auch in Brüssel wird die Gefahr eines Austritts mittlerweile ernst genommen.

Für einen Verbleib stellt Cameron weitreichende Bedingungen und verlangt von der Gemeinschaft Reformen. So dürften Nicht-Euro-Länder wie Großbritannien gegenüber der Euro-Gruppe nicht benachteiligt werden. London müsse das Recht erhalten, sich vom Ziel einer immer engeren Gemeinschaft zu verabschieden. Dies müsse London „verbindlich und umumstößlich“ garantiert werden, forderte Cameron kürzlich. Falls die Forderungen nicht erfüllt würden, müsse London über seinen Platz in der EU nachdenken.

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