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Frankreich "Die unbeschwerten Zeiten sind vorbei"

Frankreichs Geheimdienst warnt vor Bombenanschlägen während der Fußball-EM. Wie gut ist das Land vorbereitet? Sicherheitsexperte Trauboth erklärt, wie es um die Sicherheit im Stadion und beim Public Viewing bestellt ist.

Jörg H. Trauboth , Oberst a.D., ist Terrorexperte und Buchautor. Von ihm erschien neben einem Sachbuch der IS-Thriller

Herr Trauboth, wie hoch schätzen Sie die Gefahr für einen Terroranschlag während der Europameisterschaft in Frankreich ein?
Jörg Trauboth: Ich gehöre nicht zu denen, die hier eskalieren. Mein Ansatz ist es, Sachlichkeit in die Angstmache zu bringen. Die Gefahr ist meiner Ansicht nach wesentlich kleiner als von den Sicherheitsbehörden derzeit kommuniziert. Tatsächlich gibt es bis heute keine erkannte konkrete terroristische Bedrohung für die EM.

Zur Peron

Der französische Geheimdienst sprach im Vorfeld von einer realen Bedrohung. Nach eigenen Erkenntnissen sei demnach mit einer Welle von Bombenanschlägen des „Islamischen Staats“ (IS) zu rechnen.  
Wenn Sie lesen, was die Geheimdienste in Amerika, Großbritannien und Russland aber auch in Deutschland an Gräuelnachrichten produzieren, stellt sich durchaus die Frage, wem das nutzt.

Und?
Die Sicherheitsbehörden haben für ihre Mittelforderungen und die Darstellung ihrer Kompetenzen mit der EM ein hervorragendes und einzigartiges Forum. Horcht man genau hin, was die Geheimdienste kommunizieren, stellt man fest, dass das ein weicher Bedrohungsbrei ist. Es gibt von niemandem konkrete Hinweise, dass zu einer bestimmten Zeit etwas Bestimmtes passieren wird. Die Bevölkerung wird mit derartigen Nachrichten lediglich verunsichert. Das tut der Sache nicht gut und hilft auch den Menschen nicht, die zu den Spielen gehen.

Nun haben die ukrainischen Behörden erst in der vergangenen Woche einen 25-jährigen Franzosen mit einer großen Menge TNT verhaftet.
Das dürfte eher unter die Rubrik Waffenschmuggel fallen – weniger unter die Rubrik Terror. Gleichwohl ist es richtig, dass sich die Verantwortlichen auf den schlimmsten Fall vorbereiten.

Frankreich und der Terror

Ist die Gefahr eines Anschlags heute größer als etwa noch bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland?
Im Vergleich zu 2006 ist die Gefahr in der Tat wesentlich größer, was mit dem Aufstieg des Islamischen Staats einhergeht. Die Zeiten, in denen wir unbeschwert bei Großveranstaltungen sein können, sind vorerst vorbei.

Wurden die Sicherheitsvorkehrungen gegenüber vergleichbaren Großveranstaltungen erhöht?
Die Sicherheitskonzepte wurden in den letzten Monaten deutlich verschärft. Frankreich lebt in diesem Monat einer einzigartigen Ausnahmesituation. Landesweit sind über 90.000 Polizisten, private Sicherheitskräfte und Soldaten im Einsatz. Auch Psychologen sind im Team. Diese EM wird für Großveranstaltungen neue Sicherheitsmaßstäbe setzen.

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