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Frankreich Sozialisten stehen vor Linksruck

Die Kandidatenkür für die Präsidentenwahl gerät bei den französischen Sozialisten zu einer dramatischen Richtungsentscheidung. Favorit Benoît Hamon vertritt radikale Positionen und will eine Rückkehr zu alten Werten.

Der "ewige Zweite" auf dem Weg nach oben
François Fillon Quelle: AP
Francois Fillon Quelle: REUTERS
Francois FIllon und Vladimir Putin Quelle: AP
Fillon 2009 bei einer Privataudienz bei Papst Benedikt XVI. Quelle: REUTERS
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Premierminister, Francois Fillon 2010 Quelle: dpa
Francois Fillon mit seiner Frau Penelope Quelle: REUTERS
Francois Fillon Quelle: dpa

Beim Abschluss der Sozialisten-Vorwahl in Frankreich bestimmen die Wähler am Sonntag (09.00 Uhr) ihren Präsidentschaftskandidaten. Als Favorit gilt Ex-Minister Benoît Hamon, der in der ersten Runde am vergangenen Sonntag mit rund 36 Prozent der Stimmen in Führung lag. Der 49-Jährige steht für einen radikalen Bruch mit der verpönten Bilanz von Staatschef François Hollande. Sein Programm wird auch als utopisch bezeichnet.

Hamons Konkurrent ist Ex-Premierminister Manuel Valls (54), der dem rechten Parteiflügel angehört und in Debatten die Politik der Hollande-Jahre verteidigte. Hollande selbst tritt nicht mehr an. Die rund 7500 Wahllokale werden um 19.00 Uhr schließen. Mit Teilergebnissen wird am Abend gerechnet.

An der ersten Vorwahl-Runde hatten sich nur rund 1,6 Millionen Wähler beteiligt. An der Vorwahl können alle Franzosen teilnehmen, die im Wählerverzeichnis stehen und sich zu den Werten der Linken bekennen. Das linke Lager Frankreichs steht drei Monate vor der Präsidentenwahl zersplittert da. Der unabhängige Polit-Jungstar Emmanuel Macron profiliert sich außerhalb der Vorwahl, ebenso wie der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon.

Der sozialistische Bewerber - egal, ob er Hamon oder Valls heißt - liegt in Umfragen für den ersten Wahlgang im April auf dem fünften Platz. Er hat demnach also keine Chancen, dem konservativen Favoriten François Fillon oder der Rechtspopulistin Marine Le Pen die Stirn zu bieten. Der Gruppenchef der SPD-Abgeordneten im Europaparlament, Jens Geier, erklärte, Macron und Mélenchon hätten ebenfalls in der Vorwahl antreten können. „Das linke Lager in Frankreich sollte gemeinsam an den Start gehen“, forderte Geier. „Hier setzen wir auf ein Umdenken und den gemeinsamen Einsatz für ein fortschrittliches und weltoffenes Frankreich.“

Favorit Hamon war am vergangenen Sonntag der Überraschungssieger gewesen. Der Pariser Politikwissenschaftler Marc Lazar von der Hochschule Sciences Po sagte der Zeitung „Le Monde“ (vom Samstag), Hamons Erfolg beruhe auf dem Willen vieler Wähler, an traditionelle Werte der Linken anzuknüpfen, die in den vergangenen Jahren vergessen worden seien.

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