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Frankreich Valls will in den Élysée

Manuel Valls geht ins Rennen um den Élyséepalast und will Präsidentschaftskandidat der Sozialisten werden. Doch erstmal müsste er das zersplitterte eigene Lager einen - und da gibt es Widerstand gegen den Reformer.

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Manuel Valls will vom Amt des Premierministers zurücktreten, um sich auf die Kandidatur zu konzentrieren. Quelle: REUTERS

Konflikte scheut Manuel Valls nicht, im Gegenteil. Sein Gesichtsausdruck wird in solchen Momenten noch etwas härter, angespannter - ein Mann unter Strom. Das Kämpfer-Temperament kann Frankreichs bisheriger Premierminister jetzt brauchen, wo er das Regierungsamt an den Nagel hängt und sich ins Rennen um den Élyséepalast stürzt. Denn die Vorzeichen stehen nicht gerade günstig.

Nach der gescheiterten Amtszeit von Präsident François Hollande ist die Linke zerstritten, aktuell würden laut Umfragen die Konservativen und die Rechtspopulistin Marine Le Pen die Wahl unter sich ausmachen. „Man muss die Linke vereinen, sonst wird sie im zweiten Wahlgang nicht vertreten sein“, mahnte die Zeitung „Libération“. Doch Valls polarisiert sein eigenes Lager: Der Reformsozialist ist für den linken Flügel seiner Partei ein rotes Tuch.

Ob er die Vorwahl zur Kür des Präsidentschaftskandidaten der Sozialisten im Januar für sich entscheiden kann, ist daher keineswegs ausgemacht - auch wenn Valls als Favorit gilt. Und so ist seine energiegeladene Bewerbungsrede vom Montagabend auch ein Versuch, diesen Graben zu überbrücken. „Meine Kandidatur ist die der Versöhnung“, wirbt der 54-Jährige.

Der Hobbyboxer steht für den rechten, wirtschaftsfreundlichen Flügel seiner Partei. Er räumte in der Vergangenheit offen ein, dass er linke Errungenschaften wie die 35-Stunden-Woche für nicht zukunftsfähig hält. Kritiker kanzelte er schon mal als „rückwärtsgewandt“ ab. Für sein Vorgehen als Premierminister wurde Valls teilweise Brutalität vorgeworfen. Etwa, als er im Frühjahr eine Arbeitsmarktreform trotz Protesten durchs Parlament peitschte.

Valls weiß, dass er Sympathiepunkte sammeln muss, wenn seine Kandidatur nicht zum Strohfeuer werden soll. „Die Linke ist groß und schön, wenn sie zu allen Franzosen spricht“, ruft er seinen Unterstützern im Rathaus von Évry südlich von Paris zu, seiner politischen Heimat. Und präsentiert sich als Bollwerk gegen einen Erfolg der Rechtspopulistin Marine Le Pen von der Front National bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr. „Ich will nicht, dass Frankreich nochmal das Trauma von 2002 erlebt“ - damals kam Le Pens Vater Jean-Marie in die Stichwahl.

Valls' Kritiker haben die offizielle Ankündigung seiner Kandidatur nicht abgewartet, um in die Offensive zu gehen. Sein parteiinterner Widersacher Arnaud Montebourg wettert bereits gegen das „Scheitern“ der Politik von Valls und Hollande. „Die Linke hat das Land nicht wieder aufgerichtet“, beklagt der 54-Jährige, der aussichtsreichste unter Valls' Gegenkandidaten. Die frühere Sozialisten-Chefin Martine Aubry machte am Montag bereits klar, dass sie nicht daran glaubt, dass Valls die Linke hinter sich versammeln kann.

Klatschmagazine lieben Valls für seine eleganten Auftritte und weisen immer wieder auf seine spanischen Wurzeln hin. Er kam 1962 als Sohn eines katalanischen Malers in Barcelona auf die Welt und wurde erst zwei Jahrzehnte später Franzose. Privat lebt er heute in zweiter Ehe mit der bekannten Geigerin Anne Gravoin zusammen. Aus erster Ehe hat er vier Kinder.

Valls begann seine politische Karriere im Windschatten des früheren Premierministers Michel Rocard. Nach der Jahrtausendwende machte er als Parlamentsabgeordneter und Bürgermeister von Évry von sich reden, bevor Hollande ihn 2012 in die Regierung holte. Als Innenminister trat er als Hardliner auf. Als beliebtester Minister rückte er zwei Jahre später an die Spitze der Regierung - doch auch seine Umfragewerte sind längst gefallen. Auch wenn er sich bei den Sozialisten durchsetzt, kann er nur mit einer spektakulären Aufholjagd auf den Präsidentensessel kommen.

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