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Frankreich "Die unbeschwerten Zeiten sind vorbei"

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"Vom Terrorismus geht keine existentielle territoriale Gefahr aus"

Und außerhalb der Stadien? Wie schätzen Sie etwa die Gefahrenlage bei Public-Viewing-Events in Deutschland ein?
Auch hier wird ein erheblicher Sicherheitsaufwand geleistet. Die Gefahr dürfte bei kleineren Veranstaltungen - beispielsweise in Gaststätten und Cafés - deutlich größer sein.

Die Bedrohungsszenarien scheinen trotzdem Wirkung zu zeigen. Einer YouGov-Umfrage zufolge will ein Drittel der Fußballinteressierten öffentliche Plätze und Großleinwände aus Furcht vor Anschlägen meiden.
Jeder Rückzug von einem Weihnachtsmarkt oder einer Fanmeile ist ein psychologischer Sieg für den IS. Die Chance von einem Terroranschlag bei der EM persönlich betroffen zu sein, ist letztendlich gering – im Stadion wie außerhalb.

Große Terroranschläge in Europa

Das bringt den Betroffenen und deren Verwandten wenig.
Es mag nicht populär klingen, aber nach meiner Überzeugung geht vom Terrorismus selbst keine existentielle territoriale Gefahr aus – weder Frankreich noch Deutschland werden durch den Terror untergehen. Ein Anschlag erschüttert unser Leben eine kurze Weile, und dann geht es weiter. Wir sind mit ehemaligen Kleinkriminellen und Verirrten konfrontiert, die sich in die Luft jagen und von der Propaganda des IS zu Helden gemacht werden. Der Hype der Behörden und Medien wiederum in unseren Ländern um potentielle Anschläge ist die eigentliche Gefahr für unsere Wertegesellschaft. Die Gefühlslage der Menschen hat in diesen Zeit wenig mit der Realität zu tun. Das wird von der Propaganda des IS geschickt genutzt.

In Anbetracht dessen: Ist es aus Ihrer Sicht überhaupt vertretbar, die EM in Frankreich stattfinden zu lassen?

Die gefährlichsten Krisengebiete der Welt
Syrien und IrakIn den Konflikten in Syrien und im Irak gehört die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu den stärksten Kriegsparteien. Sie beherrscht in beiden Ländern große Gebiete, in denen sie ein „Kalifat“ errichtet hat. Im syrischen Bürgerkrieg bekämpfen sich zudem das Regime und seine Gegner. Die Armee ist mit starker Hilfe von Kämpfern aus dem Iran, von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von der russischen Luftwaffe auf dem Vormarsch. Die moderate Opposition wird vom Westen unterstützt. Quelle: AP
Ukraine Quelle: dpa
Nigeria Quelle: dpa
Libyen Quelle: dpa
Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer Quelle: dpa
Nordkorea Quelle: dpa
Afghanistan Quelle: dpa

Ich habe mich das nach den Anschlägen in Paris auch gefragt. Doch machen wir uns nichts vor, es gibt für große Sportveranstaltungen keine hundertprozentig sicheren Länder mehr. Die Kosten für Sicherheitsvorkehrungen bei dieser EM sind immens, sodass kleinere Länder einen derartigen Aufwand heute gar nicht mehr stemmen können. Letztlich halte ich es für richtig, dass die EM in Frankreich stattfindet. Die Menschen in Europa wollen ihre Werte auch in Zeiten des Terrors unbeschwert leben.

Was würden Sie Fans vor Ort raten?
Nach Frankreich fahren, die Spiele anschauen, mitfiebern und sich erfreuen. Achtsamkeit ist besonders außerhalb der Stadien geraten und im Zweifelsfall sollten Verdachtsmomente sofort gemeldet werden. Der nächste Polizist steht meistens nur wenige Meter entfernt.

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